Immer mehr Jugendliche essen mittags nicht mehr zuhause, sondern in der Schule. Durch das verkürzte Abitur werden auch immer mehr Gymnasien in Ganztagsschulen umgewandelt. Wer nachmittags lernt, braucht etwas Richtiges und Leckeres "auf die Gabel".
Beispiel Ceciliengymnasium in Bielefeld: Hier gibt es viel Frisches aus der Region, Vollkornprodukte und oft Bio-Essen. Geliefert wird das Mittagessen von einer Selbsthilfeeinrichtung, die sich auf kinder- und jugendgerechte Mahlzeiten spezialisiert hat und frisch gekocht liefert. Die Schule hat sich "Gesunde Ernährung" auf ihre Fahnen geschrieben – und baut auf die Mitwirkung der Schülerinnen und Schüler. So steht Ernährungslehre in den Jahrgangsstufen 8 und 9 sogar auf dem Stundenplan: "Es werden auch verschiedene Produkte zur Erweiterung des Cafeteriaangebotes entwickelt, zum Beispiel der Ceciburger, Snacks für Wissensdurstige, Chill out-Getränke oder Power- Drinks", sagt Rosemarie Schwarz, Lehrerin für Ernährungslehre und Biologie. Jugendliche mit ins Boot!
Auch die Oberstufenschülerinnen und –schüler arbeiten aktiv mit. So eingebunden, wird die Akzeptanz für das gemeinsame Mittagessen in der Schule natürlich erhöht. Doch das ist nicht überall der Fall, wie Ursula Tenberge-Weber, Projektleiterin der Vernetzungsstelle Schulverpflegung NRW weiß: "Es gibt viele gute Beispiele – aber leider auch Schulen, an denen es nicht so gut läuft. Doch die Jugendlichen sollten auf jeden Fall mit ins Boot geholt werden – nur so kann man sie überzeugen."
Ein wichtiger Faktor ist für sie zum einen eine angenehme Mensa-Gestaltung, die eher an ein Café als einen riesigen, lauten Essens-Raum erinnern sollte. Eine ruhige Atmosphäre gehört einfach dazu. Zum anderen spricht natürlich das Essen für sich. Es gibt seit 2007 Qualitätsstandards für die Schulverpflegung, die die "Deutsche Gesellschaft für Ernährung" für das "Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz" entwickelt hat.
Dennoch sind die Unterschiede zwischen den Mittagsangeboten an Schulen nach wie vor groß. Immer noch wird oft bemängelt, das Essen sei zu süß und zu fettig; Obst und Gemüse stehen vielerorts zu selten auf dem Speiseplan. Und der Genuss bleibt auch häufig auf der Strecke. Mit Vitaminen oder ohne?
Eine eigene Küche, in der das Essen frisch gekocht wird, haben die wenigsten Schulen. Für die meisten ist das finanziell und organisatorisch nicht zu leisten. Das bedeutet: Ein Catering-Unternehmen muss angeheuert werden. Da gibt es ganz verschiedene: solche, die sich auf die Ernährung von Kindern und Jugendlichen spezialisiert haben, und solche, die zum Beispiel auch Altenheime beliefern. Auch die Speisenauswahl ist sehr unterschiedlich. Es gibt im Grunde vier Systeme, unter denen die Schulen wählen können: Beim Modell "Cook and Serve" werden die Mahlzeiten in der Schule zubereitet, wobei sowohl frische als auch vorgefertigte Produkte verwendet werden. Dieses System ist optimal, die Schulen setzen es jedoch wegen der hohen Kosten nur selten um. Bei "Cook and Hold" liefert ein Caterer das Essen – wie der Name schon sagt – heiß (mindestens 70 Grad) an. Es wird in Schulkantine warm gehalten. Je nachdem, wann das Essen ankommt, kann es passieren, dass die Mahlzeiten stundenlang erhitzt werden – und wichtige Vitamine sowie der Geschmack flöten gehen. Optimal sind kurze Warmhaltezeiten von höchstens zwei Stunden, damit das Essen samt Vitaminen nicht verkocht. "Cook and Chill" bedeutet, dass die Speisen in einer professionellen Küche zubereitet und anschließend auf 3°C gekühlt werden. So werden sie der Schule geliefert, und dort werden sie erwärmt oder gegart. Und "Cook and Freeze" schließlich heißt, dass das Essen tiefgekühlt geliefert und in der Schule weiter zubereitet wird.
Prinzipiell ist sowohl beim Kühl- und auch beim Tiefkühlsystem – abhängig von der Essensauswahl – eine gute Qualität möglich; doch sollte mit "frischen, knackigen Snacks ergänzt werden. Insgesamt muss sichergestellt sein, dass die Menüs tatsächlich auf die Nährstoff-Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern zugeschnitten sind und auch genug geschmackliche Abwechslung bringen. "Langfristig kann man die Esskultur an Schulen nur dann verbessern, wenn die Schülerinnen und Schüler gehört werden und die Schule ihre Verantwortung für das Thema erkennt", so Ursula Tenberge-Weber. Sie empfiehlt, ein Beschwerdemanagement einzurichten, das Klagen von Eltern und Jugendlichen ernst nimmt.
"Die Schülerinnen und Schüler können sich über die Schulkonferenz einbringen – und sollten diese Möglichkeit auch wahr nehmen", rät die Fachfrau. In der Schulkonferenz sitzen Lehrer, Eltern und Schülerinnen bzw. Schüler. Dort sollte das Thema "Essen" buchstäblich auf den Tisch kommen.
(AB)
Linktipps:
www.schulverpflegung.vz-nrw.de (Vernetzungsstelle Schulverpflegung NRW)
www.in-form.de (Nationaler Aktionsplan für gesunde Ernährung)
www.schuleplusessen.de (Qualitätsstandards und mehr)


