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MP3&Co: Volle Dröhnung auf die Ohren

Schwerhörig mit 20?

 
Der MP3-Player ist weit aufgedreht, die Musik scheppert herrlich laut in dein Ohr. Du bist in deiner eigenen Welt. In deinem Innenohr herrscht allerdings gerade Krieg. Bei zu viel Dezibel auf Dauer bleiben deine Sinneshärchen auf der Strecke...


Junge Frau liegt mit mp3-player im Gras
Bild: sxc.hu / schnaibel
Ärzte warnen schon lange: Immer mehr Jugendliche leiden unter Hörschäden, weil sie zu laut und zu lange Musik mit iPods und MP3-Playern hören. Das Blöde dabei: Man merkt es zunächst gar nicht. Vielmehr kann es Jahre dauern, bis man die Folgen von zu lauter Dauerbeschallung zu spüren bekommt. Für eine "Reparatur" ist es dann schon zu spät.

Wir wollten es genauer wissen und haben einen Fachmann gefragt. Dr. Rolf Buschmann ist bei uns - also in der Verbraucherzentrale NRW - Experte für Umwelt- und Gesundheitsschutz und weiß, was zu viel Lärm mit unseren Ohren macht.

C4U: Wann wird der MP3-Player am Ohr gefährlich?

Buschmann: "Wenn die Musik ständig über 85 Dezibel hinaus geht und jemand das Ding gar nicht mehr vom Ohr nimmt, wird es gefährlich. In der Arbeitswelt müsste jemand bei dieser Lautstärke schon einen Gehörschutz tragen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. MP3-Player sind durchaus in der Lage 85 oder sogar 100 Dezibel zu erreichen. Dieser Lärm kann auf Dauer Hörschäden auslösen."

C4U: Bei 120 Dezibel ist die Schmerzgrenze für unser Ohr erreicht. Nicht selten erreichen MP3Player wie gesagt 100 Dezibel. Welchem Geräusch entspricht dann die Musik, die mit dieser Lautstärke in unser Ohr rauscht?

Buschmann: "100 Dezibel - das entspricht schon einem Presslufthammer oder dem Verkehrsgeräusch an einer Autobahn. Ein startendes Flugzeug bringt es auf 140 Dezibel, wenn man sich 50 Meter davon entfernt aufhält."

C4U: Was passiert da genau mit unseren Ohren?


Frau mit mp3-player
Bild: sxc.hu / mckenna71
Buschmann: "Unsere Wahrnehmung läuft über kleine Sinneshärchen in der Ohrschnecke. Sie sind die Rezeptoren für einzelne Frequenzen. Stellen Sie sich mal einen Fluss vor, in dem Algen aufrecht stehen. Oder noch besser - ein Wasserbett. Wenn ich da an einer Stelle draufdrücke, entsteht eine Welle. Die Härchen geraten also in Schwingung und senden einen elektrischen Impuls an den Hörnerv. Der gibt ihn an das Gehirn weiter. Sind die Härchen aber irreparabel geschädigt, kommt das Geräusch quasi im Gehirn nicht mehr an."

C4U: Manchmal hat man ja schon nach einem Konzertbesuch oder nach einem Abend in einer lauten Diskothek so ein dumpfes Rauschen in den Ohren? Was bedeutet das?

Buschmann: "Das ist schon ein Warnsignal, ein Symptom für Überstrapazierung. Unser Körper sagt uns damit: Das war zu viel für mich."

C4U: Und woran merkt man, dass man einen beginnenden Hörschaden hat?

Buschmann: "Das ist ja das Fatale. Ein Hörschaden kann schleichend kommen. Irgendwann bemerkt ein anderer vielleicht mal, dass ich meinen Fernseher immer zu laut stelle oder dass ich einem Gespräch nicht mehr folgen kann. Ich kann nur jedem raten, regelmäßig einen HNO-Arzt aufzusuchen und das Gehör testen zu lassen."

C4U: Und welche Regeln sollten Jugendliche beim MP3-Gebrauch noch beherzigen?

Buschmann: "In der Regel weiß man ja nicht, wie viel 100 Dezibel eigentlich sind. Da ist es schon hilfreich, mal auf den MP3Player zu gucken und im Geschäft nach der Lautstärkeleistung zu fragen. Wenn es das Gerät zum Beispiel auf 100 Dezibel bringt, dann weiß ich, dass ich es lieber nur zu einem bis zwei Drittel aufdrehen sollte, statt am Limit zu hören."

(kat)
 
Stand: 16.04.2012 | Seite drucken | Seite empfehlen
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