CHECKED4YOU
Sport + Körper

Lebensmittelallergien

Apfel macht "autsch"

 
Kaum ist das Apfelstück im Mund, wird die Zunge pelzig, Bläschen übersäen den Gaumen, die Haut fängt an zu jucken. Das könnte ein typischer Fall von Lebensmittelallergie sein.


Person kratzt sich am UnterarmVon einer Lebensmittelallergie spricht man, wenn das Immunsystem überreagiert, sobald es auch nur winzige Mengen des Allergens bemerkt. Dabei kann es sein, dass man zum Beispiel jahrelang Äpfel essen konnte, ohne dass sich irgendwas gemuckt hat. Erst wenn sich Antikörper gebildet haben, kommt es zur allergischen Reaktion.

Es gibt aber auch noch eine Art "Trittbrettfahrer", das ist die Pseudoallergie. Die tut so, als sei sie eine Allergie - im strengen medizinischen Sinne ist sie das aber nicht, weil keine Antikörper im Spiel sind. Für die Betroffenen ist es jedoch "Orange wie Apfelsine": Die Symptome, die auftreten, wenn sie bestimmte Lebensmittel essen, sind nämlich die gleichen wie bei der Allergie. Allerdings wird der Körper hier zumeist schon beim ersten Kontakt mit dem entsprechenden Lebensmittel wütend und lässt es den Esser spüren: Wie bei der Lebensmittelallergie kann es zu Hautausschlag, Pusteln oder Juckreiz kommen, die Schleimhäute können anschwellen, der Mund kribbelt, aber auch der Magen oder Darm spielen oft verrückt. Schwindel oder Kopfschmerz sind ebenfalls keine Seltenheit.


halbvolles MilchglasWird einem nach einem Glas Milch kodderig oder bekommt man Durchfall, so muss nicht unbedingt eine Allergie dahinter stecken. Rund einem Drittel der Weltbevölkerung - in Deutschland rund 15 Prozent - geht es so. Grund dafür ist eine Milchzuckerunverträglichkeit (medizinisch Laktoseintoleranz genannt). Die basiert auf einem Enzymdefekt, was ein Arzt leicht feststellen kann. In diesem Fall verträgt man oft Käse, Quark, Joghurt oder auch Sojaprodukte besser.

Eine Besonderheit ist die so genannte Kreuzallergie, die Menschen trifft, die schon von einer Pollenallergie geplagt sind. Wer bei Flug von Birkenpollen heftige Niesanfälle bekommt, reagiert zum Beispiel auch, wenn er Äpfel oder Haselnüsse knabbert, wem bei Gräsern die Nase läuft, verträgt oft kein Getreidemehl, keine Sojaprodukte, keine Erdnüsse oder keinen Kürbis.

Bei Kleinkindern gehen Experten davon aus, dass bis zu acht Prozent unter einer Lebensmittelallergie leiden - oft reagieren sie auf Grundnahrungsmittel wie Kuhmilch oder Ei. Bei manchen geht sie im Laufe der Zeit wieder weg; Fisch- und Nussallergien halten sich jedoch häufig hartnäckig. Die Lebensmittelallergie-Quote bei Erwachsenen liegt bei zwei bis drei Prozent - plus rund ein bis zwei Prozent, die eine Pseudoallergie haben. Die Zahl der Menschen, die eine Lebensmittelunverträglichkeit haben, liegt deutlich höher.

rahmenrahmen
Allergene Hitliste
Grundsätzlich kann jedes Nahrungsmittel Allergien auslösen. Doch als häufigste Allergieauslöser gelten bei uns, je nach Alter: Kuhmilch, Fisch Hühnerei, Soja, Nüsse und Samen, Erdnüsse, rohe Obst- und Gemüsesorten, Gewürze und Getreide. Bei der Pseudoallergie können natürliche Stoffe, wie sie beispielsweise in Tomaten, Beerenobst oder Kräutern und Gewürzen zu finden sind, eine Rolle spielen. Einige Menschen reagieren aber auch auf Zusatzstoffe und kriegen bei Aroma-, Konservierungs- und Farbstoffen oder Geschmacksverstärkern Pickel.
rahmenrahmen

Tipps für Lebensmittelallergiker

Ganz wichtig: Wer vermutet, auf Lebensmittel allergisch zu reagieren, sollte zum Arzt gehen. Der Spezialist ist der Allergologe, er kann z.B. auch einen Allergietest durchführen. Nach einer vielleicht falschen Selbstdiagnose - und somit überflüssigerweise - Lebensmittel wegzulassen, ist nicht empfehlenswert. Das kann schnell zu einer einseitigen Ernährung führen. Der Allergologe jedoch kann den tatsächlichen Auslöser der Allergie herausfiltern. Für manche Allergiker bedeutet es, ab nun auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten und auch auf winzigste Spuren des Allergieauslösers im Essen zu achten. Für andere ist es wichtig, wie die Lebensmittel zubereitet sind. Einige Allergene werden durch Erhitzen verträglicher, so kommt es vor, dass manche Apfelallergiker keinen rohen Apfel vertragen, bei Apfelmus aber keine Probleme bekommen. Es muss also für jeden im Einzelfall geklärt werden, worauf beim Essen geachtet werden muss. Hierbei können einem Ernährungsfachkräfte weiterhelfen, die sich auf Allergien spezialisiert haben.

Allergene besser erkennen
Bei verpackten Lebensmitteln gibt es eine gute Nachricht für Allergiker. Die vierzehn häufigsten Allergieauslöser müssen auf Verpackungen immer gekennzeichnet werden, entweder in der Zutatenliste oder direkt im Produktnamen, selbst wenn nur Spuren davon enthalten sind. Das sind: glutenhaltige Getreide (z.B. Weizen), Milch, Eier, Soja, Erdnüsse, Schalenfrüchte (z. B. Mandeln oder Haselnüsse), Sellerie, Senf, Krebstiere, Fisch, Sesam, Schwefeldioxid und Sulfite, Lupinen und Weichtiere (z. B. Schnecken, Muscheln, Tintenfisch), sowie alle Produkte, die aus diesen 14 hergestellt werden.

Trotzdem gilt: Die Zutaten, die auf der Verpackung stehen, genau
studieren! Leider verbergen sich manche Bestandteile hinter Namen, die ein Laie nicht kennt, hinter Molke und Kasein z. B. Milch - es ist also manchmal nicht ganz so einfach sein Allergen zu erkennen. Wer sich nicht sicher ist, sollte solche Lebensmittel besser im Supermarktregalstehen lassen!

Hersteller weisen oft darauf hin, wenn unbeabsichtigt Allergene ins Lebensmittel gelangen können. Auf der Verpackung steht dann beispielsweise: "Kann Spuren von Nüssen enthalten". Die Hersteller wollen kein Risiko eingehen, denn schon geringste Spuren müssen von ihnen gekennzeichnet werden. Es bedeutet
nicht automatisch, dass tatsächlich Nüsse drin sind, sondern dass vielleicht mit der Schokoladenmaschine sowohl Nuss- als auch Vollmilchschokolade produziert wird. Allergiker sollten aber auf Nummer Sicher gehen und Lebensmittel, die den Aufdruck tragen, meiden.

Regel mit Ausnahmen
Oft werden Gewürzmischungen in Lebensmitteln verwendet, alles, was mit weniger als zwei Prozent enthalten ist, z. B. Paprikagewürz, muss nicht gekennzeichnet werden. Diese Regel gilt nicht, wenn es sich um eines der Hauptallergene, wie Sellerie handelt. Die müssen immer draufstehen. Auf kleinen Packungen, wie Majonäsetütchen im Imbiss, muss kein Hinweis stehen, hier ist nur die Kennzeichnung auf der großen Umverpackung vorgeschrieben. Bei Lebensmitteln ohne Verpackung, wie den Brötchen beim Bäcker oder dem Essen in der Mensa, ist es für Allergiker immer noch schwierig. Doch hier wird sich in Zukunft etwas ändern. Die Kennzeichnung der Allergieauslöser bei unverpackter Ware ist seit Ende 2011 in einem neuen Gesetz geregelt. Wie das in der Praxis aussehen soll müssen die einzelnen Mitgliedsstaaten der EU (Europäischen Union) jedoch noch festlegen und erst ab Dezember 2014 sind die Händler dazu verpflichtet, diese neuen Regelungen anzuwenden.

(AB/C4U)

Deine Meinung ist gefragt!

Forum zum Thema "Allergien"
 
Stand: 16.12.2011 | Seite drucken | Seite empfehlen
nach oben
 
Das Online-Jugendmagazin der