Das neue knallrote T-Shirt das erste Mal an - und irgendwie juckt's? Vielleicht fällt der Fummel nicht in die Kategorie "schadstofffrei", und das mag die Haut oft gar nicht... Beim nächsten Einkauf sollte man besser auf das Label "Öko-Tex" achten, denn das garantiert Giftfreiheit - oder?
Seit Anfang der 90er Jahre können sich Hersteller nach dem so genannten Öko-Tex-Standard zertifizieren lassen. Das Motto der Prüfung, die durch unabhängige Prüfinstitute erfolgt: Textiles Vertrauen. "Kein Gift in Textilien" - das war die Forderung, die vor über zehn Jahren laut wurde. Doch ganz ohne Chemie geht es nur, wenn man auch auf Dinge wie "Functional Wear", Knitterfreiheit oder super-knallige Farben verzichtet. Aber: Es geht ohne Stoffe, die für die Gesundheit - sei es beim Einatmen oder auf der Haut - problematisch sind. Genau darauf baut das Siegel: Das Schild "Öko-Tex Standard 100" schmückt inzwischen viele - auch günstige - Klamotten. Dieser Standard schließt zum Beispiel aus, dass bestimmte Farbstoffe oder Weichmacher (allerdings auch nicht unbedingt alle...) verwendet wurden. Unter die Lupe genommen werden sowohl die Rohprodukte, also beispielsweise die Stoffe, als auch die Endprodukte, beispielsweise Hose oder Jacke.
Gecheckt wird gleich dreierlei: Mit Hilfe einer künstlichen Schweißlösung schauen die Prüfer, ob oder in welcher Menge sich Substanzen vom Stoff ablösen. Außerdem wird getestet, ob Schadstoffe ausdünsten, die dann eingeatmet werden können. Zu guter Letzt - besonders wichtig für Babysachen, an denen auch gelutscht wird - prüfen sie mit künstlicher Speichellösung, ob schädliche Chemikalien freigesetzt werden. Die Grenzwerte sind höher, je intensiver der Kontakt zur Haut ist: bei Unterwäsche oder Handtüchern sind sie also höher als bei Anoraks.
"Öko" ist hier nicht Umweltschutz oder Natur... Kritikern geht "Öko-Tex Standard 100" längst nicht weit genug, es werde noch viel zu viel an Schadstoffen toleriert. Tatsächlich schneiden beispielsweise bei den Tests von Öko-Test nicht immer alle Kleidungsstücke, die das Label tragen, "gut" oder "sehr gut" ab. Außerdem, so der Vorwurf, sage der Standard nichts über Produktionsbedingungen oder Umweltschutz aus. Auf letzteren Vorwurf hat der "Gesamtverband der deutschen Textilwirtschaft" mit einer weiteren Auszeichnung, nämlich dem "Standard 100plus", geantwortet: Dabei berücksichtigen die Fachleute zusätzlich auch Abwasserbelastungen, Schadstoffausstoß, Arbeitsbedingungen und Energieverbrauch bei der Produktion. Und Achtung: Mit "Naturtextilien" oder "Bio-Baumwolle" hat Öko-Tex trotz des "biologisch" klingenden Namens nichts zu tun. Auch Sachen aus hundert Prozent Polyacryl können nach bestandener Prüfung das Öko-Zeichen tragen.
Natur pur: "Naturtextil IVN"
Wer Natur pur will, der ist zum Beispiel mit den Klamotten die das Qualitätszeichen des Internationalen Verbandes Naturtextilwirtschaft (IVN) tragen gut bedient. Das Zeichen "Naturtextil IVN zertifiziert BEST" bürgt für Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau und artgerechter Tierhaltung. Chemie und Bleiche sind tabu, es dürfen keine bedenklichen Stoffe eingesetzt werden und für die Arbeiter gelten Sozialkriterien für faire Arbeitsbedingungen. Neu ist auch das seit 2009 Lederklamotten mit dem Zeichen "Naturleder IVN zertifiziert" ausgezeichnet werden können. Leider findet man solche Textilien nur selten im Laden, doch kann man gezielt danach suchen und Kleidungsstücke über das Internet bestellen - eine Liste mit Anbietern findet man hier.
Ein Tipp - egal, um was für Kleidung es sich handelt: Es schadet sowieso nie, Klamotten vor dem ersten Tragen in die Waschmaschine zu tun!
(AB)


