Hmm, lecker Schnitzel vom Grill oder Nudeln mit Gehacktes-Sauce... Dass für diesen Genuss Lebewesen unter Bedingungen leben und sterben müssen, die oft sehr belastend und stressig sind, das stellen wir uns beim Essen lieber nicht so deutlich vor.
Quälende Schmerzen, Enge, keine Minute Ruhe, Geschrei und Todesangst - mehr hat das Leben vielen Tieren, die später auf unserem Teller landen, nicht zu bieten. Aber wie bei den meisten Produkten ist auch Fleisch nicht gleich Fleisch. Man kann auch solches kaufen, das von Tieren kommt, die artgerecht gehalten werden und ihr Leben wenigstens ein bisschen genießen konnten. Wenn man Tiere artgerecht halten will, muss man das angeborene Verhalten und die Bedürfnisse von Kühen, Schweinen, Hühnern etc. kennen und versuchen, das so gut wie möglich auf den Bauernhöfen umzusetzen. Wenn man also beispielsweise weiss, dass Tiere ihren Haufen nie dorthin machen, wo sie schlafen oder fressen, dann sollten sie dieses Verhalten auch in Gefangenschaft nicht ändern müssen. Oder: Kein Tier lebt von Natur aus freiwillig in geschlossenen Räumen, man sollte ihnen also immer die Möglichkeit geben, an die frische Luft zu können. Auch der Kontakt untereinander spielt bei Tieren in freier Windbahn eine große Rolle. Geschützte Rückzugsmöglichkeiten sind genauso wichtig wie freundschaftliche Begegnungen und geselliges Beisammensein.
Die Wirklichkeit sieht für die meisten Nutztiere leider anders aus: Der größte Teil der Schweine, Kühe, Puten und Hühner lebt auf engstem Raum. Sie sollen sich nicht so viel bewegen, weil sie dann weniger Energie verbrauchen und einfach nicht so große Ställe gebaut werden müssen. Ein Kalb muss z.B. in den ersten zwei Wochen mit 80 x 120 x 80 cm auskommen, ein ausgewachsenes Schwein mit einem Quadratmeter Fläche. Im Tierschutzbericht des Landes NRW heißt es: "In einem Fußballtor mit den Maßen 7 x 3 m könnten beispielsweise 315 Hennen oder 22 Kälber gehalten werden." Der Lebensraum der Nutztiere ist nicht nur extrem eng, sondern auch unbequem und kann zur Verletzungen führen. So werden z.B. 80 Prozent aller Mastschweine auf Spaltenböden gehalten. Das sind Betonböden, die Spalten oder Löcher haben, durch die der Kot der Tiere fällt. Das erspart dem Bauern das Ausmisten, führt aber nicht selten bei den Schweinen zu Druckstellen, Verletzungen und Stress, weil sie mit ihren Klauen in die Spalten rutschen.
Bei den Kühen sieht es nicht viel besser aus: Kühe produzieren z.B. nur dann Milch, wenn sie Kälber haben (für die die Milch ja ursprünglich gedacht war...). Also bringt jede Milchkuh pro Jahr jeweils eine Babykuh zur Welt, die aber nur wenige Tage bei der Mutterkuh trinken darf. Dann werden die Kälber von der Mutter getrennt und wenn sie Pech haben, in die Intensivmast gebracht. Dort stehen sie in den ersten zwei Wochen Tag und Nacht in engen Boxen mit Vollspaltenböden, werden mit Milchaustauschern gefüttert und sterben oft schon nach ca. zehn Wochen, ohne jemals eine Weide betreten zu haben. Ihr helles, zartes Fleisch gilt als besondere Delikatesse und wird z. B. zu Wiener Schnitzel verarbeitet. Ein weiterer schockierender Punkt in der Intensiv- oder "Massen"-Tierhaltung ist die große psychische Belastung und der Stress, unter dem die Tiere vielfach stehen. In vielen Schweinemastbetrieben darf man die Türen nicht knallen, weil die Schweine vor Schreck an Herzinfarkt sterben können. Auch werden ihnen in der Regel die Ringelschwänze abgeschnitten, damit sie sich nicht gegenseitig aus Langeweile und Aggression in den Schwanz beißen.
Puten und Hühner sind vom Leben in riesigen Gruppen generell überfordert. Sie leben normalerweise in überschaubaren "Teams" mit einer klaren Rangordnung. Wenn es zu viele "Kollegen" sind, können sie sich die Rangordnung des anderen Vogels nicht mehr merken und reagieren aggressiv: Sie picken nach den Artgenossen - bis hin zum Kannibalismus - oder reißen sich vor Frust die eigenen Federn aus.
Leider ist auch der Einsatz von Medikamenten in der "Massentierhaltung" ziemlich weit verbreitet. Besonders heikel ist dabei die oft bereits vorbeugende Verabreichung von Antibiotika. Das Problem: Bakterien sind sehr schlau und bilden Resistenzen gegen bestimmte Antibiotika, d.h., die Medikamente wirken einfach nicht mehr. Da Resistenzen u.a. durch den Fleischverzehr auf den Menschen und auf menschliche Krankheitserreger übertragen werden, muss man immer neue Antibiotika erfinden, um schlimme Krankheiten heilen zu können. Aber so schnell kommt die Wissenschaft gar nicht nach - man kann sich leicht ausmalen, wie die Welt aussähe, wenn es keine wirksamen Mittel gegen Bakterien mehr gäbe! Besser wäre es daher, wenn man Tiere so halten würde, dass diese erst gar keine Medikamente brauchen. Verbraucher und Politiker, denen die eigene Gesundheit und die der Tiere am Herzen liegt, fordern daher für die Fleisch- und Milchproduktion:
- ausreichend Fläche für die Tiere zum Bewegen
- Trennung von Plätzen zum Fressen, Ruhen und Koten
- ganzjähriger Auslauf
- Beschäftigungsmöglichkeiten, keine Langeweile
- ausreichend Frischluft und natürliches Tageslicht im Stall
- Kontakt zu Artgenossen
Ihr werdet euch sicher denken können, was das für euch bedeutet, wenn die Tiere artgerecht gehalten werden: Fleisch und Milch werden teurer. Dann wird man kein Kilo Bratwurst mehr finden, das 2,22 Euro kostet und damit preiswerter ist als so manches Kilo Obst. Wer nun sicher gehen will, dass gekauftes Fleisch von möglichst glücklichen Tieren stammt, sollte auf das "Bio"-Siegel achten, denn eines des Kriterien, um dieses Siegel verwenden zu können, ist eben die artgerechte Tierhaltung. Ach übrigens: Das Thema betrifft auch eure persönlichen tierischen Freunde! Wer seinen von Natur aus nachtaktiven Hamster ständig tagsüber weckt, seinen Hund mit Schokolade füttert, gesellige Vögel einzeln im Käfig hält oder das Reitpferd im Winter nicht auf die Weide läßt, macht es leider auch nicht richtig und sollte mit dem Tierschutz gleich bei sich selbst anfangen.
Links zum Thema:
www.vz-nrw.de
Informationen der Verbraucherzentrale NRW über Geflügel.
Beratungsstellen der Verbraucherzentrale
Hier bekommt man Hinweise, wo man Fleisch aus artgerechter Tierhaltung kaufen kann.
(C4U)
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Forum zum Thema "Artgerechte Tierhaltung "Bisher 24 Beiträge, letzter Beitrag vom 21.05.2012, 17.03 Uhr


