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Wer verkaufen will, preist seine Ware an, das war schon auf den mittelalterlichen Märkten so. Heute muss der Händler in der Regel nicht mehr selbst rufen, sondern druckt die Werbesprüche direkt auf die Verpackung oder in den Werbeprospekt. Dass da manchmal viel heiße Luft gemacht und wenig ausgesagt wird, zeigen unsere Beispiele.

"Aus kontrolliertem Anbau" steht stolz auf der Packung junger Möhren. Nun, was will uns das sagen? Der Kunde soll den Eindruck bekommen, als wären es ganz besondere Möhren, extra gute Qualität, vielleicht sogar ein Bio-Produkt... Tatsächlich hat "kontrolliert" nicht viel zu bedeuten, weil: Es gibt gar keinen unkontrollierten Anbau von Möhren. Der Bauer muss seine Felder immer unter Kontrolle haben - es ist ja nicht so, dass er die Möhren zufällig findet auf einem völlig chaotischen Feld! Das Gleiche gilt für Werbeaufdrucke wie "kontrollierte Qualität". In Deutschland muss die Qualität von Lebensmitteln sowieso kontrolliert werden. Das ist eine Selbstverständlichkeit, mit der man eigentlich nicht werben sollte, wenn man nicht dazuschreibt, was denn da genau zusätzlich zu den gesetzlichen Vorschriften ganz besonders kontrolliert wurde.

naturnahAllein die Bezeichnungen "Bio" und "Öko" sind seit Einführung der EG-Öko-Verordnung 1993 gesetzlich geschützt. Alle Produkte, die mit diesen Bezeichnungen werben, müssen mindestens dieser Verordnung entsprechen. Mehr Infos gibt's hier.

Auch Begriffe wie "naturnah" oder "sonnengereift" bei Obst und Gemüse sind zumindest seltsam. Man sollte ja eigentlich davon ausgehen, dass das Grünzeug oder die Früchte nah an der Natur (oder sogar mitten drin!) entstanden sind und nicht im Chemielabor. Und dass Orangen etc. unter der Sonne reifen, haut auch keinen wirklich vom Hocker.

Genau wie beispielsweise der Werbebegriff "umweltschonend" ist das Wort "Premiumqualität" kein amtliches Gütemerkmal. Es ist nicht verboten, Produkte mit diesen Attributen zu versehen, sie sagen aber ebenso wenig über die Herstellung oder Qualität aus wie der heute auf total vielen Produkten verwendete Begriff "Wellness" oder die Zusätze "Fitness" oder "Energie". Und wenn auf der Verpackung "zur Unterstützung des Immunsystems" steht, dann besagt auch das nicht viel - die meisten Lebensmittel unterstützen unser Immunsystem.


eigeneherstellungBei einigen Werbeaufdrucken kann man sogar ganz schön hinters Licht geführt werden. So bedeutet "Deutsche Markenbutter" keineswegs, dass die Butter aus der Milch deutscher Kühe gemacht wurde. Die Bezeichnung weist nur darauf hin, dass hohe (deutsche) Qualitätsvorgaben eingehalten wurden - die Milch kann aber aus einem anderen Land kommen. Auf ähnlich wackeligen Füßen steht der Hinweis "aus eigener Herstellung". Ein Bäcker, der das über sein Brotsortiment schreibt, kann trotzdem industriell gefertigte Backmischungen verwenden oder tiefgekühlten Teig in den Ofen schieben, der in Polen zusammengemischt und dann in LKWs durch halb Europa transportiert wurde.


XXL PackUnd nicht nur beim Inhalt und der Qualität wird manchmal ein bisschen geblufft - auch beim Preis muss man aufpassen, wenn der Werbeaufdruck ein Schnäppchen in Aussicht stellt. Bei Großpackungen mit dem Hinweis "Vorratspack" oder "Familienpackung" geht man meist automatisch davon aus, dass diese preiswerter sind, als zum Beispiel drei kleine "Single-Portionen". Muss aber nicht sein! Die Zeitschrift Öko-Test hat beispielsweise Schokolade gefunden, die in der 400-Gramm-Packung umgerechnet 58% teurer war als in der kleineren 250-Gramm-Schachtel. Wer nachrechnet oder im Laden den Kilo- oder Literpreis am Regal vergleicht, der wird auf den Trick nicht so leicht hereinfallen.

(C4U)

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Forum zum Thema "Irreführende Werbung"
Bisher 4 Beiträge, letzter Beitrag vom 27.11.2007, 21.32 Uhr
 
Stand: 28.03.2011 | Seite drucken | Seite empfehlen
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