Flatrates sind nichts Besonderes mehr: Beim Telefonieren oder Surfen gibt's solche Angebote schon lange. Aber auch in anderen Branchen hat sich der Pauschalpreis breit gemacht.
Zum Beispiel Sonnenstudios: "Sonnen-Flatrate - ab 0,39 Euro am Tag". Um die "Jeden Monat Sonne satt"-Pauschalen wirklich zu nutzen, müsste man jedoch schon ein paar Mal im Monat braten - was natürlich nicht zu empfehlen ist... Aber auch bei weniger gesundheitsbedenklichen Flatrates heißt es hinschauen. So mag die Beauty-Branche Flatrates auch recht gerne: Nagel- und Kosmetikstudios und auch Friseure bauen auf solche "Daueraufträge" zur Kundenbindung. Doch hier zählt der Preis: Ein Angebot für 50 Euro monatlich ist eher lächerlich - denn wer geht schon häufiger als einmal im Monat zum Nachschnibbeln? Flatrate klingt halt besser...
Ohnehin: Flatrate - das scheint für viele Unternehmen einfach besser zu klingen als die gute alte Jahres- oder Monats-Karte. Einige Theater versuchen beispielsweise mit Flats, das (junge) Publikum ans Haus zu binden. Manches sind klassische Schüler- und Studentenabos - andere sind besondere Aktionen. So nennt beispielsweise das Staatstheater Darmstadt ein Angebot "Schülerflatratekarte" (19,90 Euro). Damit können alle Vorstellungen in Schulferien für einen Euro besucht werden. Von wegen "flat"...
Auch gerne gemacht: Das einstige "All you can eat" in "Flatrate" umtaufen und Softdrinks oder Essen zum Pauschalpreis anbieten. Nett ist auch eine Hotel-Flatrate, der sich etliche Hotels angeschlossen haben. Für einen Pauschalpreis kann man dort so oft übernachten wie man will. Ein kleiner Haken: Die Halbpension muss bezahlt werden... Je nach Unterbringung könnte man für diesen Preis woanders wiederum locker "Übernachtung mit Frühstück" bekommen.
Wichtige Fragen
Ob nun Videotheken-Flats, Pommes- oder gar Brillen-Flatrate: Die Beispiele zeigen, dass Flatrates nur was für Rechenkünstler und Hingucker sind. Bevor man sich verpflichtet, einen Monats- oder Jahresbetrag für (angeblich) "unendliche Nutzung" zu berappen, sollte man sich folgendes fragen:
- Wie wird der Begriff Flatrate verwendet, was verbirgt sich tatsächlich dahinter?
- Wie viele Einzelnutzungen könnte ich für den Pauschalpreis bekommen?
- Ist es realistisch, dass ich die Dienstleistung oder das Produkt tatsächlich so oft in Anspruch nehme - oder gebe ich bei der Flatrate letztlich mehr Geld aus?
- Ist bei der Flatrate wirklich alles inklusive? Oder ist die Nutzung beispielsweise auf Tage oder Tageszeiten beschränkt?
- Welche Kosten kommen zusätzlich zur Flatrate auf mich zu? Oder bin ich verpflichtet (siehe oben erwähnte Hotel-Flat), andere Leistungen zu kaufen?
- Welche Kündigungsfristen habe ich?
- Und zu guter Letzt, ganz banal: Finde ich nur den Gedanken klasse, dass irgendetwas immer, ohne die Geldbörse erneut zu zücken, abrufbar ist? Oder benötige ich die Flatrate wirklich?
(AB)


