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Tier + Umwelt

Gen-Mais: Risiko auf unserem Teller?

Warum sich Verbraucher - und Umweltschützer über ein Verbot freuen

 
Der Anbau von Gen-Mais in Deutschland ist verboten. Doch was hat es mit dem genmanipulierten Mais überhaupt auf sich? Wie landet Gen-Food trotzdem auf unseren Tellern? Ist das schädlich für den Menschen oder nur giftig für Tiere?


Ein Maiskolben
Bild: sxc.hu / Sanja Gjenero
Die Verbraucherschutzministerin hat im April 2009 den Anbau einer gentechnisch veränderten Maissorte verboten, weil dieser Mais eine Gefahr für die Umwelt darstelle. Damit ist mal wieder ein Streit zwischen Gegnern und Befürwortern solcher genetisch manipulierter Pflanzen entbrannt. Brauchen wir diese Gentechnik überhaupt? C4U hat Antworten zum Thema zusammen getragen:

Wie funktioniert der Gen-Mais?
In die Maissorte Mon810 hat man ein Gen eingeschleust, das in der Lage ist, Gift zu produzieren. Dieses Gift ist nur für den Maiszünsler, einen für Mais schädlichen Schmetterling, bestimmt. Per Genmanipulation soll verhindert werden, dass die Schädlinge die Ernte auffressen. Der Mais kann sich quasi selbst vor Fressfeinden schützen und es müsse weniger Gift gespritzt werden, argumentieren die Befürworter. Sie sind sich außerdem sicher, dass man so in Zukunft auch eine größere Ernte einfahren könne.

Wie wurde Gen-Mais wurde bislang angebaut?
Bevor das Verbot der Ministerin kam, haben Bauern auch in Deutschland Gen-Mais angepflanzt. Allerdings betrug die Anbaufläche nur 0,18 Prozent der Gesamtanbaufläche von Maispflanzen. Auch gab es Bestimmungen, dass es zwischen Feldern mit Gen-Mais und anderen Anbaupflanzen einen Sicherheitsabstand von 150 bis 300 Metern geben muss. Doch selbst wenn man den Gen-Mais auf einer kleinen Fläche anbaue, kritisieren Umwelt- und Verbraucherschützer, könne man nicht verhindern, dass die Pollen auch auf Nachbarflächen wehen.


Drei Maiskolben
Bild: sxc.hu / Sanja Gjenero
Wovor haben Gen-Mais-Gegner Angst?
Gegner dieser Genmanipulation weisen darauf hin, dass das Gift im Mais nicht nur schädliche, sondern auch nützliche Insekten, wie Regenwurm oder Honigbiene, töten kann. Sie argumentieren außerdem, dass Insekten, die ständig mit dem Gift der Maispflanze in Berührung kommen, irgendwann resistent werden könnten. Erste Anzeichen, dass es tatsächlich zu resistenten Maiswurzelbohrern kommt, wurden 2011 gefunden. Die Herstellerfirma dieser Genmaissorte verharmlost und spricht von Einzelfällen. Die Insekten gewöhnen sich an das Gift und irgendwann kann es ihnen nichts mehr anhaben. Dann müssten die Schädlinge mit anderen oder zusätzlichen Pestiziden bekämpft werden. Vor allem befürchten Gegner aber, dass auch der Mensch irgendwann Schaden nehmen könnte. Die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sind nämlich noch längst nicht abschließend erforscht. Tierversuche gibt es allerdings schon. So fanden Wissenschaftler Veränderungen an Organen bei Ratten, die mit Genmais gefüttert wurden.

Der Gen-Mais, der nun verboten wurde, stammt von dem großen Saatguthersteller Monsanto aus den USA. Würde sich der Gen-Mais durchsetzen, sorgen sich die Kritiker auch noch um etwas anderes: Wenn nur wenige große Hersteller auf der Welt genveränderte Pflanzen züchten, könnten die Pflanzen irgendwann homogen, also immer gleichartiger und somit in größeren Mengen angreifbarer gegen resistente Schädlinge werden. So wachse auch die Gefahr von globalen Missernten. Ganz abgesehen davon, dass die großen Saathersteller irgendwann ein Monopol auf Saaten und spezielle Chemiekeulen gegen Schädlinge hätten. (Der Agrarkonzern Monsanto ist nämlich gleichzeitig auch ein Chemiekonzern, der Pestizide liefert) Auch die Abhängigkeit der Bauern von solchen Großkonzernen werde dann steigen.

Warum sollte Gentechnik bei Lebensmitteln nützlich sein?
Saatgutunternehmen und Befürworter der Gentechnik argumentieren, dass die Gentechnik eine große Chance für die Zukunft sei, da man durch spezielle Züchtungen nicht nur besser auf Gefahren für die Pflanze reagieren könnte (Schimmelpilze oder Schädlinge), sondern dass man die Produkte durch einen genetisch veränderten Nährstoffgehalt auch gesünder machen könnte. Umwelt- und Verbraucherschützer halten aber dagegen, dass man für gesunde Ernährung keine Gentechnik braucht und dass Nährstoffmangel in den Industrienationen eher eine Folge von falschen Essgewohnheiten ist. Gen-Food wird oft auch als Mittel gegen Missernten und Hunger in Entwicklungsländern angeführt. Doch nützen den Hungernden mögliche Ertragssteigerungen nichts, wenn sie sich die Nahrungsmittel nicht leisten können. Verschärft wird die Situation für die Entwicklungsländer noch, wenn ihnen der Zugang zu Saatgut durch Patente und Lizenzgebühren erschwert und die Abhängigkeit von großen Agrochemieunternehmen erhöht wird.

Essen wir schon längst genmanipulierte Nahrung?
Wenn bei der Herstellung eines Nahrungsmittels gentechnisch veränderte Zutaten verwendet werden, muss das auf der Packung stehen. Dann liest man auf der Zutatenliste zum Beispiel "gentechnisch verändert" oder "aus gentechnisch veränderten Sojabohnen hergestellt". Wenn ihr euch Lebensmittel in Deutschland genau anschaut, werdet ihr solche Bezeichnungen aber kaum finden. Doch die Sache hat einen Haken: Fleisch, Eier oder Milch von Tieren, die genmanipuliertes Futter gefressen haben, muss nicht gekennzeichnet werden! Auch Aromen und Vitamine, die mit Hilfe von gentechnisch veränderten Bakterien oder anderen Mikroorganismen hergestellt wurden, könnt ihr die Genmanipulation nicht ansehen!

Welche Produkte sind gentechnikfrei?
Bioprodukte sind generell gentechnikfrei hergestellt. Hier wird auch beim Tierfutter keine Gentechnik eingesetzt. Außerdem gibt es das Label "ohne Gentechnik", das solche Produkte auszeichnet und bereits bei einigen Milchprodukten verwendet wird. Es lohnt sich also, genau aufs Etikett zu schauen.

(kat)
 
Stand: 15.11.2011 | Seite drucken | Seite empfehlen
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