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Sport + Körper

Haareschneiden Nebensache

Ein Erlebnisbericht mit "Cut & Go"

 
Da hilft kein Föhnen und kein Haarspray, meine Haare sind einfach aus ihrer Frisur rausgewachsen. Hier muss eine Schere ran! Ein Selbstversuch mit "Cut & Go"!


Blick in einen FriseursalonIn der Zeitung lockt eine poppige Anzeige: "Cut & Go" für 18 Euro. Das lässt mein Budget gerade noch zu. Der Laden liegt direkt in der Fußgängerzone, da kann ich danach schnell noch ein neues T-Shirt kaufen. Also nix wie hin!

Kaum bin ich durch die Tür, werde ich auch schon begrüßt, als habe die Mannschaft den ganzen Tag auf mich gewartet. Es ist ein Hallo wie bei einer Party, auch die wummerndlaute Technomucke passt dazu. "Komm rein, setz dich erst mal, willst du einen Kaffee?!" "Nee", sag ich, "Kaffee muss nicht sein. Ich will die Haare geschnitten haben. Muss ich warten?" - "Nein, nein, die Sarah ist gleich für dich da." Also setze ich mich schon mal vor einen freien Spiegel und warte. Im gnadenlos grellen Licht des Frisörladens sehen meine Haare noch schrecklicher aus als Zuhause.

Nach einer Viertelstunde kommt jemand mit viel Piercing und viel schwarzem Leder auf mich zu und brüllt etwas in meine Richtung. Ich verstehe kein Wort, weil die Musik so laut ist. "Waaaaas?!", rufe ich. "Ich bin die Sarah. Bist du das erste Mal hier?", schreit Sarah und gibt mir demonstrativ die Hand. Als ich ja sage, geht Sarah weg und kommt mit einem riesigen Fragebogen und einem Kuli wieder. "Kannste ja schon mal ausfüllen. Ich hol noch 'n Kaffee", sagt sie, und ist verschwunden. Auf dem Blatt wird nicht nur nach meinem Namen, meiner Adresse, meiner Telefonnummer, meiner E-Mail-Adresse und meinem Geburtsdatum gefragt, ich soll auch angeben, welche Haarpflegeprodukte ich benutze, ob ich meine Haare färbe und wie oft ich normalerweise zum Friseur gehe. "Wollen sie hier so eine Art Fahndungsakte über mich anlegen?", frage ich Sarah, die wieder neben mir steht und an einem riesigen Eiskaffee nuckelt. "Nee, du, das machen wir immer so. Du kriegst dann 'ne Stammkundenkarte." "Und wozu?!" "Ja, wenn wir mal so Sonderwochen haben, dann kriegst du als Stammkunde 10% Preisnachlass". Ich geb ihr das Formular unausgefüllt zurück und schaue sie durch den Spiegel auffordernd an.


Großaufnahme einer Schere, die ans Haar einer Frau angesetzt wird"Jaaaa", sagt Sarah, "was machen wir denn bei dir?" - "Einfach was nachschneiden, ein bisschen Ordnung in das Vogelnest bringen!", sage ich übertrieben witzig, um die Situation etwas aufzulockern. Sarah greift mir unterdessen mit beiden Händen in die Mähne und macht ein besorgtes Gesicht. "Boooah, da müssen wir wohl erst mal 'ne Pflegepackung rein machen, die sind ja ganz strohig. Föhnst du die Haare etwas heiß?". Schuldbewusst versinke ich im Stuhl. Eigentlich will ich für so eine blöde Spülung nicht noch extra bezahlen (immerhin 7,50 Euro!). Als ich ablehne, sieht Sarah etwas pampig aus, führt mich aber dennoch zum Waschbecken. Dort knetet sie mir mindestens zehn Minuten lang ein wohlriechendes Shampoo in die Haare, während sie mit ihrer Kollegin über ihre Probleme mit einem gewissen Thorsten redet. Beim Auskämmen der nassen Haare ist sie nicht sehr feinfühlig und sagt lakonisch "Ohne Spülung ziept das halt etwas."

"Immer noch keinen Kaffee?", fragt sie aufmunternd. "Nein, Danke." "Schon mal über eine Farbauffrischung nachgedacht?", versucht sie es daraufhin. "Sun-Effect-Strähnchen und ein paar Color-Spots würden super zu deinem Typ passen!". Sie lässt nicht locker. "Bei deinen dünnen Haaren wäre auch eine Stützwelle prima. Gibt mehr Stand und sieht ganz natürlich aus!". Ich verliere langsam meinen Gleichmut. Seit 30 Minuten bin ich jetzt hier und von Haareschneiden war noch kaum die Rede. "Sarah", sage ich in einem Tonfall, den man quengeligen Vorschulkindern gegenüber anschlägt, "ich möchte nur, dass Sie mir die Haare schneiden. Mehr nicht. Bitte." - "Okay", sagt Sarah munter, und legt gleich los. Als sie mit der linken Seite fertig ist, schaut sie mir zögernd über die Augen. "Wir haben diesen Monat ein Angebot: Augenbrauen zupfen und färben für nur 9,90 Euro! Würde bei Dir super aussehen!" "Nein, erst mal die Haare", sage ich, um Zeit zu gewinnen. "Kein Problem", erwidert Sarah, "Die Augenbrauen macht dir gleich die Zizi, die macht auch super Maniküre. Oder wenn du eine Nagelverlängerung willst."


Friseurstuhl mit Haaren auf dem Boden
Bild: sxc.hu / icekitty37
Bevor mir Sarah am Ende auffordernd zufrieden den Handspiegel hinter den Kopf hält, damit ich ihr Werk bewundern kann, fragt sie mich nur noch, ob ich heute frei hätte, wo ich arbeite, ob ich die Musik auch geil fände, ob ich nicht doch einen Kaffee wolle, ob ich Haustiere hätte und ob ich Schaumfestiger, Finishconditioner, Volumenspray, Express-Repair-Mousse oder Thermo-Protect-Gel möchte. Ich wehre mich wie ein Löwe und werde sicher zum unfreundlichsten Kunden des Monats gewählt. Auch weil ich darauf bestehe, mir die Haare (wie es in der Anzeige stand) selbst zu föhnen, weil mir das immerhin zehn Euro spart. Als ich den Umhang endlich los bin und zur Kasse gehe, zahle ich erleichtert meine 18 Euro und gebe Sarah großzügig zwei Euro Trinkgeld. Die junge Dame neben mir bezahlt 72,90 Euro (28 Euro Waschen-schneiden-föhnen, 7,50 Euro Pflegeintensivkur, 15 Euro Strähnchen, 9,90 Euro Augenbrauen zupfen und färben, sowie 12,50 für eine Wellness-Gesichtsmassage mit anschliessendem Profi-Makeup).

Für das gesparte Geld leiste ich mir einen großen Cappucino im teuersten Café der Stadt. Und zu Hause wasche ich mir als erstes die Haare. Das mache ich immer, wenn ich vom Frisör komme.

(C4U)

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Forum zum Thema "Friseurbesuch "
Bisher 27 Beiträge, letzter Beitrag vom 16.11.2010, 16.45 Uhr
 
Stand: 11.01.2011 | Seite drucken | Seite empfehlen
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