Nach dem Abitur stehen viele von euch vor einer kniffligen Entscheidung: Lehre oder Studium? Beides hat seine Vor- und Nachteile. Und genau davon erzählt unsere Fotostory...
Jana und Anna sind dicke Freundinnen. Schon seit der Grundschule sind sie unzertrennlich. Nach vielen gemeinsamen Schuljahren haben sie beide jetzt endlich ihr Abi in der Tasche und große Pläne. Anna will endlich arbeiten, ihr eigenes Geld verdienen und vor allem raus von Zuhause. Jana will auf jeden Fall studieren. Das muss sie auch für ihren Wunschberuf. Lernen hat ihr immer Spaß gemacht. Warum also nicht noch mal ein paar Jahre Uni dranhängen? Doch Studieren kostet Geld und deshalb muss Jana wohl erstmal bei ihren Eltern wohnen bleiben.
Anna hat eine Ausbildung als Krankenpflegerin angefangen. Ein Studium wäre ihr viel zu theoretisch. Außerdem hat man im Krankenhaus gute Chancen nach der Ausbildung übernommen zu werden. Die Bezahlung ist allerdings nicht gerade üppig. Im ersten Lehrjahr verdient sie gerade mal rund 730 Euro brutto. Dafür will Anna mit ihrem Arbeitgeber bald mal über einen speziellen Sparvertrag reden. Der nennt sich VL (Vermögenswirksame Leistung). Da geben Arbeitgeber und Staat sogar etwas zum Sparbetrag dazu. Geschenktes Geld quasi!
Jana hingegen möchte Lehrerin werden. Die werden auf dem Arbeitsmarkt dringend gesucht und auch die spätere Bezahlung ist ganz gut. Die ersten Wochen an der Uni waren allerdings total chaotisch. Welche Seminare muss man besuchen, welche Scheine gibt es dafür und bei wem muss man sich anmelden? Hat man endlich seinen Hörsaal gefunden, quetschen sich schon mal locker 300 bis 600 Studenten in den Saal. Wer zu spät kommt, muss auf der Treppe sitzen. Mit Schule ist das nicht zu vergleichen. Dafür ist alles viel zu anonym. Die Professoren kennen einen auch nach Monaten noch nicht mit Namen. Dafür gibt es ein Semesterticket, mit dem man günstig Bus und Bahn fahren kann.
Blutdruck messen, Betten machen, Medikamente verteilen - alles okay, aber das frühe Aufstehen... manchmal würde Anna gerne noch ein Stündchen länger schlafen. Die Patienten übrigens auch. Da gibt es auch schon mal ganz übel Gelaunte. Dann ist Anna froh, nach acht Stunden endlich nach Hause zu kommen. Sie wohnt jetzt mit einer Freundin zusammen. So kann man sich wenigstens die Miete teilen. Es gibt auch eine gemeinsame Haushaltskasse und einen selbst aufgestellten Sparplan. Das heißt: Beim Einkaufen Preise vergleichen, nach Sonderangeboten gucken und zuhause Energie sparen. Für die Wohnungseinrichtung haben sich die beiden eine Menge Second-Hand-Möbel besorgt und ganz neu aufpoliert.
So locker das Studentenleben auch sein mag - ohne Geld geht gar nix. 500 Euro Studiengebühren und dann noch mal Semesterbeiträge... okay, das übernehmen zwar Janas Eltern, dafür wurde aber leider das Taschengeld abgeschafft! Also ist Jobsuche angesagt. Dafür muss sich Jana aber erst ein eigenes Konto einrichten. Eine Freundin hatte dazu einen heißen Tipp: Mit Vorlage der Semesterbescheinigung gibt es das Konto bei der Bank umsonst.
Eines weiß Jana jetzt schon: Wer erfolgreich studieren will, braucht jede Menge Selbstdisziplin. Im Studium ist man komplett auf sich allein gestellt. Und wenn sich die Studienzeit verlängert, rückt auch das erste Gehalt in weite Zukunft. Durch die erste Klausur ist Jana durchgerasselt - jetzt heißt es büffeln.
Auch bei Anna läuft es momentan nicht richtig rund. Abgesehen von nörgelnden Patienten ist auch die Oberärztin nicht gerade eine Ausgeburt an guter Laune. Schon gar nicht, wenn die Patientenakten nicht richtig geführt werden. Gestern war Anna soooo müde. Da hat sie glatt vergessen, was Wichtiges einzutragen. Und schon gibt's Saures von oben. Oh, Mann!
Neben der Lernerei bleibt Jana immer noch viel Zeit fürs Hobby. Dreimal in der Woche darf sie ihr Pflegepferd Diabolo umsonst reiten. Andere Freizeitaktivitäten kosten leider. Doch schnell hat Jana rausgekriegt, dass so ein Studentenausweis ein echtes Sparwunder ist: Der bringt nämlich fast überall Prozente! Bei Konzerten, im Theater, im Museum, im Kino. In vielen Fitnessstudios und Vereinen. Sogar Friseure oder eiseveranstalter versuchen Studis schon mit Rabatten zu locken.
Anna fährt seit kurzem ihr eigenes gebrauchtes Auto. Das gab es mit viel Feilscherei zum Schnäppchenpreis. Zum Glück gab es auch einen Rabatt bei der Autoversicherung. Aber nur weil Annas Eltern bei derselben Gesellschaft ihr Auto versichert haben. Den Rabatt gab es allerdings nur auf hartnäckiges Nachfragen beim Versicherungsvertreter!
Auch Jana hat jetzt einen Nebenjob. Auf der Suche danach hat sie viele unseriöse Anzeigen in den Zeitungen gefunden. Die erkennt man meistens schon daran, dass riesige Summen für eine Arbeit versprochen werden, die gar nicht näher beschrieben wird. Oder daran, dass kein Arbeitnehmer genannt wird, sondern nur eine Telefonnummer. Jana kellnert jetzt in den Semesterferien in einem Biergarten. Und weil sie als Saisonkraft da nicht so viel verdient, bekommt sie am Ende des Jahres auch die Steuern vom Finanzamt wieder.
Anna ist nach ein paar Monaten im Krankenhaus schon viel routinierter. Verbände anlegen geht ganz locker von Hand. Die Oberärztin ist eigentlich auch nicht so übel und der dämliche Fehler mit der Krankenakte ist ihr auch nicht wieder passiert. Und noch was hat Anna gelernt: Während Freundin Jana sich an der Uni als Einzelkämpferin durchschlagen muss, wird in Anna Job Teamarbeit ganz groß geschrieben. So ganz ohne Lernen geht es übrigens auch bei Anna nicht. Neben den Krankenhausschichten hat sie auch Unterricht. Auf dem Stundenplan stehen dann Anatomie, Chirurgie oder Innere Medizin. Das ist ziemlich heftiger Stoff. Dagegen war der Bio-Unterricht in der Schule reiner Kindergeburtstag.
Wenn Anna und Jana sich heute treffen, sprechen sie viel über ihren Alltag, aber auch über ihre Ziele und Träume. Dicke Freundinnen sind sie immer noch. Jana will nächstes Jahr ein Auslandsemester und eine Sprachschule besuchen. Angst vor der Zukunft hat sie nicht. Aber so ein echtes Gehalt, das wäre nicht schlecht. Ein bisschen neidisch ist Jana da schon auf Anna und ihr selbstständiges Leben. Aber auch Anna hat viel nachgedacht. Zum Beispiel über Karrierechancen in ihrem Beruf. Die sind nämlich gar nicht so schlecht - wenn man sich weiterbildet. Nach der Ausbildung könnte sie zum Beispiel noch ein Studium dran hängen und Pflegemanagement studieren. Aber bis dahin ist ja noch viel Zeit!
(kat)


