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"Testartikel immer objektiv"

Interview mit einem "Case Modder"

 

Portraitfoto des InterviewpartnersFelix Ntourmas aus Erlangen beschäftigt sich seit einigen Jahren mit Case Modding und betreibt unter www.modding-factory.net auch eine website zu diesem Thema. Checked4you hat ihn interviewt!

Wie lange beschäftigst du dich schon mit Case Modding und wieviel Zeit nimmt das in Anspruch?
So richtig beschäftige ich mich mit Case Modding seit ca. 2-3 Jahren. Angefangen hat alles im sehr kleinen Rahmen: Um 2002 rum wurde das Thema immer bekannter und interessanter für mich und ein paar Freunde. Wir waren damals zusammen in einem Gaming-Clan und die ersten Casemodbilder von damals lockten uns schon sehr, vor allem, um sich von den Anderen abzuheben. Somit haben wir nach kurzer Zeit eine (Case-) Modding Kategorie auf unserer Clanseite eingerichtet. Schnell wurde daraus eine eigene Seite, die letztendlich zu Modding-Factory.net geführt hat. Casemodding kann man auf jeden Fall als Hobby einstufen, da es nicht gerade wenig Zeit in Anspruch nimmt. So dauert das Planen und komplette Umsetzen eines Casemods schon einmal länger als einen Monat.


Seitenansicht eines modifizierten PC-GehäusesWie würdest du Case Modding definieren/beschreiben?
Ich würde sagen, Casemodding dient in erster Linie dazu, sich seinen PC bzw. dessen Gehäuse komplett selbst und individuell zu gestalten und sich somit auch von herkömmlichen Gehäusen abzuheben. Außerdem kann man im Case Modding wirklich Spaß finden. Es ist einfach ein tolles Gefühl zu wissen, was man mit eigener Handarbeit und Fleiß erbracht hat, wenn das Projekt abgeschlossen ist. Das Gleiche gilt natürlich, wenn man beispielsweise der Community oder Freunden seinen neuen Casemod präsentieren kann.

Worin liegt die Faszination beim Modden für dich?
Beim Casemodding ist man(n) einfach völlig frei. Man kann seine ganze Kreativität einsetzen und sich anschließend unter Beweis stellen, wenn es darum geht das Geplante in die Realität umzusetzen. Parallel dazu steigert man seine Erfahrungen und Kenntnisse im Umgang mit Werkzeug und Elektronik, was schließlich auch nicht verkehrt ist.


Seitenfenster des PC-Gehäuses mit blau-roter InnenbeleuchtungGibt es schon so was wie "Klassiker" beim Modding?
Einen richtigen "Klassiker" gibt es eigentlich noch nicht, jedoch beinhalten die meisten Casemods doch eine sehr ähnliche Ausstattung, lediglich in anderer Ausführung. Was sich mittlerweile als absoluter Standart etabliert hat, wenn auch in verschiedenen Formen und Kreationen, ist das Window im Seitenteil des PCs. Ein Casemod ohne Window wird man heute nur noch sehr selten zu sehen bekommen. Ebenso wird mittlerweile kaum noch auf die bewährten (Selfmade-) Lüftersteuerungen oder der Einbau von Kaltlichtkathoden oder LEDs verzichtet.

Wie teuer kann Case Modding werden? Kann man da ungefähre Preisspannen nennen, vielleicht anhand von Beispielen?
Sicherlich gibt es nach oben hin kaum Grenzen, je mehr Technik eingebaut wird, desto teurer wird die Geschichte natürlich. Ein "normaler" Casemod, mit Anschaffungskosten und sämtlichen Materialien, kann jedoch auch schonmal über die 200-Euro-Grenze gehen. Es kommt halt darauf an, was gemacht wird. Wenn das Gehäuse selbst vom Aufbau her kaum umstrukturiert, sondern nur weiter ausgestattet wird, halten sich die Kosten im 100-Euro-Bereich.

Sind deiner Einschätzung nach viele Modder auch Gamer bzw. umgekehrt?
Ich würde sagen, dass so ziemlich jeder Gamer einen gemoddeten PC hat – so herum lässt es sich sagen! Ob nun jeder Modder auch Gamer ist, lässt sich schwer feststellen. Casemodding wird ja nicht nur von Jugendlichen betrieben, auch Erwachsene, vorzugsweise Männer, leben ihr Handwerk an Casemodding aus. Ob diese jedoch auch Spieleinteresse haben, ist fraglich. Außerdem werden in der Szene auch nur diejenigen als Modder anerkannt, die auch selbst Hand angelegt haben. Viele Leute, vorzugsweise Gamer, besitzen oft nur einen sogenannten "Kaufmod", sprich einen komplett fertiggemoddeten Tower.


Fertiges modifiziertes PC-gehäuse mit blauer InnenbeleuchtungKann/muss man begrifflich zwischen verschiedenen "Disziplinen" trennen? Gibt es da so was wie unterschiedliche "Szenen"?
Es gibt klare Unterschiede zwischen Casemods und Casecons. Unter Casemodding versteht man das Umbauen und Austatten eines bereits vorliegenden Gehäuses, dass es in normaler Form im Laden zu kaufen gibt. Bei Casecons hingegen ist alles komplett selfmade, vom Grundgerüst bis zur letzten Schraube. Casecons jedoch haben in der Szene erst später an Bedeutung gewonnen – Caseconbauer möchten sich vorallem von den herkömmlichen Casemods abheben, was schließlich auch eine Folge des zunehmenden Casemoddingbetreibens war.

Gibt es viele Puristen, die sagen, "echtes" Case Modding muss so oder so sein, sonst isses nix?
Eigentlich nicht. Jeder Modder moddet für sich und nicht für die Anderen. Somit ist es jedem freigestellt, was für Veränderungen er an seinem PC-Gehäuse vornimmt. Sollte er jedoch seine Umbauten öffentlich machen, beispielsweise in Foren, trifft er dort neben dem gewöhnlichen Feeback sicherlich auch auf einige, die meinen, es besser wissen zu wollen – manchmal jedoch hat das gerade bei Anfängern auch seine positiven Seiten ;-)


Noch nicht eingebautes Steuerungsteil für das modifizierte GehäuseViele Sites, die Case Modding zum Thema haben, bieten eigene Produkttests. Ist das typisch für die Modding Szene, dass man sich besonders kritisch mit den verschiedenen Produktangeboten auseinandersetzt?
Also aus unserer Sicht betrachten wir die die Testartikel immer sehr objektiv, nicht unbedingt bezogen auf die Casemoddingtauglichkeit. Allerdings gibt es sicherlich auch noch Seiten, die Artikel, welche in der Szene immer noch als "Kaufmodding" kritisiert werden, absichtlich schlecht darstellen, um die Leser zum Selfmade zu appellieren.

Nach welchen Kriterien wählt ihr die Produkte, die ihr testet?
Vorzugsweise testen wir Produkte, die neu auf den Markt kommen. Als Moddingseite sind das überwiegend auch Artikel, die im Casemoddingbereich Verwendung finden. Man hat den Vorteil, dass der Hersteller ein Feedback über sein Produkt erhält, das Volk informiert wird und die Leser sich ein Bild von dem Produkt machen können. So nutzen viele Leute diese Produkttests auch als Kaufberatung.

Habt bei euren Tests auch schon mal ein Produkt komplett durchgefallen?
Bisher hatten wir keine Produkte bei denen wir nur Negatives
festgestellt haben! Meist befinden sich die Produkte die wir testen auch schon in Produktion, heißt also sie wurden bereits vor unserem Test auf Tauglichkeit und Qualität überprüft. Dennoch finden wir immer wieder ein paar negative Aspekte, die jedoch meist von den Positiven überdeckt werden!

Gibt es allgemeine Qualitätskriterien bei Modding-Produkten, die man benennen könnte? Worauf man beim Kauf achten sollte?
Eigentlich gelten auch hier sämtliche Kaufregeln, wie sie bei vielen herkömmlichen Computerartikeln gelten: Lieber ein paar Euro mehr ausgeben und einen Markenartikel erwerben, als sich später über schlechte Verarbeitung oder schnelle Defekte ärgern zu müssen.


Skizze eines modifizierten GehäusesWelche Tipps würdest du Einsteigern geben, die sich fürs Modding interessieren?
Also als Erstes würde ich Einsteigern empfehlen, sich weitgehend über das Thema Modding zu erkundigen, falls sie das nicht schon erledigt haben. Außerdem ist es empfehlenswert, sich in einem Forum, wie beispielsweise wir eins besitzen, anzumelden und sich dort mit den bereits erfahrenen Casemoddern auszutauschen. Dort wird einem immer geholfen, man kann seine Pläne vorstellen und bekommt ein Feedback in Form von Verbesserungsvorschlägen oder Ähnlichem. Stichwort Pläne, ein ganz wichtiger Faktor beim Casemodding. Es ist immer besser vor der Praxis eine gründliche Planung zu erstellen! Das heißt nicht, dass dazu komplexe CAD-Kenntnisse o.Ä. notwendig sind, Handzeichnungen mit dementsprechender Beschriftung sind durchaus ausreichend. Auch sollte man es am Anfang nicht übertreiben und probieren, es den "Großen" nachzumachen – klein anfangen und sich in das Thema einarbeiten. Beim Thema Elektronik sollte man auf jedenfall bedenken, dass man hier mit Strom arbeitet. Wer nicht weiß was er tut, sollte es auf jedenfall lassen und Rücksprache halten. Empfehlenswert wäre es dabei, eine Fachkraft hinzuzuziehen.


Logo der Modding FactoryDie website von Felix Ntourmas und seinem Team: www.modding-factory.net

(C4U)
 
Stand: 03.11.2005 | Seite drucken | Seite empfehlen
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