Emil ist 20, hat sein Abi in der Tasche und wollte noch mal raus in die Welt, bevor zuhause sein Studium beginnt. Jetzt ist er als Au-Pair in Boston. Im Interview erzählt er uns von seinen Erfahrungen.
Englisch büffeln, Kinder betreuen, mit einer fremden Familie unter einem Dach leben, Schneestürme erleben, coole Clubs besuchen und ständig Menschen aus aller Welt kennenlernen. All das erlebt der 20-jährige Emil gerade in Boston, im Osten der USA. Sechs spannende Monate liegen bereits hinter ihm. Mittlerweile kann sich der Düsseldorfer sogar vorstellen, mal für eine Zeit lang im Ausland zu arbeiten. C4Y: Au-Pair verbindet man eher mit einem Job für Mädels und Jungs sind hier die Ausnahme. Was hat dich dazu bewogen, als Au-Pair zu arbeiten?
Emil: Ja stimmt, allerdings ich habe hier relativ viele männliche Au-Pairs getroffen und die haben wie ich meist die Erfahrung gemacht, dass man es leichter hat. Die Kinder finden es super und die meisten Mütter auch!
Für mich war es einfach der günstigste und schnellste Weg lange im Ausland zu bleiben. Hinzu kommt, dass man das erste Mal auf eigenen Beinen steht und sein erstes eigenes Geld verdient.
Vor allem aber meine guten Erfahrungen mit Kindern zu arbeiten, haben mich zu dem Job bewegt.
Du hattest also schon Erfahrung mit Kinderbereuung?
Emil: Ich habe nach meinem Abitur zwei Monate in einer Kreativitätsschule gejobbt, eine Mischung aus Krabbelgruppe, Hort und Kindergarten. Dort waren alle Altersklassen von 2-11 Jahren vertreten. Also eine sehr gute Vorbereitung für meinen Au-Pair-Job in den Staaten. Ich war dort Übungsleiter und mitverantwortlich für Kinder-Freizeitprogramme.
Erzähl mal von deinem Alltag in Boston: Wie sieht dein Tagesablauf so aus?
Emil: Ich fahre morgens die Kinder zur Schule. Danach komme ich mit dem Kleinsten (2 Jahre) wieder nach Hause und verbringe die restliche Zeit mit ihm bis zu seinem Mittagsschlaf. Ich habe dann zwei Stunden Pause bis ich die anderen beiden Jungs um 15 Uhr wieder von der Schule abhole. Der Älteste muss nach der Schule oft erst seine Hausaufgaben erledigen. Das bedeutet ich habe dann erstmal nur die zwei Kleineren. Je nach Wetterlage geht es dann später zu dritt noch mal zum Spielplatz. Eigentlich gibt es hier keinen Alltag, jeder Tag sieht anders aus. Es fängt mit Playdates an und hört mit plötzlich auftretenden Schneestürmen auf, die bedeuten dann schulfrei! Im Haushalt muss ich nur bedingt mithelfen und nach dem Abendbrot habe ich frei.
Woran musstest du dich erst gewöhnen? Was macht dir am meisten Spaß?
Emil: Ich habe in Deutschland in meiner eigenen Wohnung gelebt. Plötzlich wieder mit sechs Mann unter einem Dach zu wohnen war schon eine sehr große Umstellung. Gewöhnungsbedürftig sind auch die Öffnungszeiten von Bars und Clubs, denn die haben nur bis zwei Uhr nachts auf. Aber sonst ist alles super. Am meisten Spaß macht es mir, dass man fast wöchentlich neue Leute kennen lernt, zum Beispiel auf Parties oder sogar in der Bahn. Wie ist das Leben in einer fremden Familie? Lernt man da auch viel über sich selbst?
Emil: Es ist erst mal ein sehr komisches Gefühl. Man weiß am Anfang nicht so recht, was man jetzt darf oder ob man gerade stört und wie so die allgemeinen Einstellungen der Familie sind. Aber bei meiner Hostfamily war das eigentlich kein Problem. Wir haben uns von Anfang an verstanden. Ich habe einfach jede Menge Fragen gestellt und gemerkt, dass ich sehr gut mit Menschen umgehen kann - egal in welcher Sprache.
Du lebst bei einer deutschen Familie. Wie sieht es mit deinem Englisch aus?
Emil: Ja, das mit dem English lernen. Also ich kann eigentlich jedem nur raten in eine englisch-sprechende Familie zu gehen, weil unter der Woche die Zeit doch sehr knapp für Englisch-Kurse ist oder auch um täglich Freunde zu treffen. Ich besuche einen English-Harvard-Kurs und in meinem Freudeskreis wird fast nur English gesprochen.
Lassen sich in der Ferne schneller Bekanntschaften knüpfen als zuhause?
Emil: Also hier Freundschaften zu schließen war gar kein Problem. Es ist leichter als zuhause. Die meisten Amerikaner sind begeistert von Deutschland und sind überrascht, wie man mehr als eine Sprache sprechen kann.
Glaubst du, dass die zehn Monate deinen Horizont erweitern werden?
Emil: Die oft verpönte Freundlichkeit in Amerika würde in Deutschland keinem schaden und umgekehrt könnte ein bisschen "deutsche Ehrlichkeit" auch in Amerika manches vereinfachen. Ich glaube, dass mich das Wissen über solche Kleinigkeiten schon ein wenig verändert hat, in positiver Hinsicht. Man kann das Au-Pair-Leben schon als kleines Abenteuer betrachten. Man kommt viel herum und ist irgendwie doch immer ein bisschen auf sich allein gestellt. Hat dich irgend etwas in den Staaten total überrascht?
Emil: Ich habe mich über die teilweise sehr veraltete Infrastruktur und den Fahrstil der Amerikaner gewundert. Die halten sich überhaupt nicht an Geschwindigkeitbegrenzungen! Die einen fahren einen riesen SUV und scheren sich nicht groß um den Verbrauch und die anderen fahren die neuesten Hybrid Autos aus Japan. Aber auch die Freundlichkeit der Amerikaner hat mich überrascht.
Was würdest du Leuten in deinem Alter raten, wenn sie sich für einen Au-Pair-Job interessieren?
Emil: Also, man muss definitiv gut mit Menschen umgehen können, weil man wirklich ein Jahr ein Mitglied der Familie ist. Zweitens ist es sehr wichtig gut mit Kindern umgehen zu können. Wenn einem das dann keinen Spaß bereitet, wird das eher ein schweres als ein schönes Jahr. Ich glaube, wenn man offen und abendteuerlustig ist, kann man nix verkehrt machen.
Könntest du dir heute vorstellen, auch mal im Ausland zu arbeiten?
Emil: Ich könnte mir mittlerweile gut vorstellen im Ausland zu arbeiten, jedoch nur für einen gewissen Zeitraum. Egal wie schön die Stadt ist und wie viele Freunde man gefunden hat, es ist nicht so wie zu Hause. Deshalb finde ich auch gut zu wissen, wann man wieder zu Hause ist. So kann man das alles als langen Urlaub oder langes Abenteuer betrachten.
(kat)
Mehr Links zum Thema:
C4Y-Artikel: Wie wird man Au-Pair?
Bundesverband der Au-Pair-Vermittler
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Forum zum Thema "Au-Pair werden"Bisher 2 Beiträge, letzter Beitrag vom 26.02.2009, 20.02 Uhr


