
| Autor | Thema |
|---|---|
|
14.06.2003 02:44 GAST
|
Schuluniformen bauen eine Gesellschaft der sozialen Kälte abEs gibt überhaupt gar kein einziges schlüssiges Argument gegen Schuluniformen. Wer eine natürliche Ablehnung gegen alles Uniforme empfindet, hat natürlich eine sehr gesunde Grundeinstellung, denn Mißtrauen ist bei uniformer Ausgestaltung immer und grundsätzlich dringend angebracht. Hier jedoch geht es quasi um Berufsuniformen. Wer würde denn heute wirklich behaupten wollen, daß die Uniformen von Piloten oder Stewardessen etc. negativ wirken. Wer wünscht sich diese in Zivilkleidung? Es gibt mindestens 1000 Berufe, welche sich über Uniformen definieren, Trachtenvereine, Schützenvereine, Karnevalsvereine, das gesamte breite Gesundheitswesen (wer will den Doktor in Zivilkleidung?) - also ist diese Art von Uniform nicht von Hause aus schlecht und negativ. Negativ sind die Erfahrungen mit der HJ und der FdJ. Dort waren aber Uniformen nur das Alibi für eine geistige Gleichschaltung. Niemand würde heute behaupten wollen, daß Piloten geistig gleichgeschaltet sind. Auch ist es hoffentlich nicht so, daß wir einen gleichgeschalteten Schulunterricht haben und wenn wir diesen hätten, dann nicht wegen der Uniformen. Die Vorteile dagegen sind derart gravierend, daß man sie nicht mehr beiseite schieben kann. Wer die Träger von teuren Markenklamotten beobachtet und analysiert, stellt zweifelsfrei fest, daß in den überwiegenden Fällen, das zur Schau getragene Selbstbewußtsein über die Kleidung aufgebaut wurde. Deshalb steht ja auf der Kleidung - km-weit zu erkennen - Versace o.ä. Also: Seht her: Ich bin doch jemand: Hier steht`s schwarz auf weiß. Im gleichen Maße werden alle anderen, welche auch gut gekleidet sind, aber keine teuren Markenklamotten tragen, aus den Gemeinschaften ausgeschlossen. Gerade im Berliner Versuch, hatten die Schüler selbst den Wunsch nach "Schuluniformen" um, die nicht mehr vorhandenen Klassen-Gemeinschaften wieder herzustellen - und um auch Kindern wieder die Teilnahme am Schulunterricht zu ermöglichen, welche nur aus Kleidungsgründen sich nicht mehr in die Schule gewagt haben. Die Markenkleidung hat also exzessive Ausgrenzungen erreicht und da speziell Kinder nicht aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden wollen, sondern alles tun, um in der Gemeinschaft zu sein, muß man Maßnahmen ergreifen. Außerdem ist es pädagogisch unverzichtbar, daß Kinder ihr Selbstvertrauen über ihr eigenes Wesen aufbauen und nicht über Kleidung. Das können Sie später immer noch tun, wenn sie erwachsen sind. Und die Gesellschaft muss eben auch akzeptieren, daß es mehr als zahlreiche Eltern gibt, welche durch die extrem teure Markenklamotten in ganz massive finanzielle Bedrängnis geraten, weil sie ihre eigenen Kinder natürlich als Eltern nicht ausgrenzen wollen. Viele Eltern können sich das schlicht einfach nicht leisten und leisten es sich eben doch, verschulden sich oder rutschen in die Sozialhilfe - ist das besser? Und jeder weiß doch, daß die ausgegrenzten Kinder wegen dieser Ausgrenzung bösartig werden und den anderen Kindern eben diese Statussymbole rauben und wegnehmen und die Betroffenen zuhause sagen, sie hätten die Uhr oder was auch immer verloren. Wenn man Kinder wegen der Kleidung aus der Gemeinschaft ausschließt, so ist das quasi eine Aufforderung zum Verbrechen. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß sich Kinder dann über andere Symbole definieren, denn diese haben sie in der Schule nicht dabei. Die mehr als störenden Handys befinden sich bekanntlich sehr deutlich auf dem Rückmarsch in der öffentlichen Anwendung. Auch bei den Erwachsenen. Nun empfehlen manche Kinderarbeit d.h. daß die Kinder neben der Schule sich bereits Luxus erarbeiten sollen. Hier zeigt sich wie pervers die Gesellschaft geworden ist. Wenn man sich den Bildungsstand anschaut, der ja ständig von der freien Wirtschaft bemängelt wird, dann sollten sich Schüler nur aufs Lernen konzentrieren und nicht auf Erwerbsarbeit. Was nützt das denn, wenn sich ein Schüler zwar teure Schuhe durch Erwerbsarbeit verdient aber nachher keinen Ausbildungsplatz oder keinen Studienplatz bekommt. Man muss auch die Prioritäten wieder zurecht rücken. Zum Lernvorgang gehört übrigens ebenso der Entspannungsvorgang. Wer als Kind ständig lernt und ansonsten einer Erwerbsarbeit nachgeht (um sich teure Markenklamotten leisten zu können) ist irgendwann nicht mehr lern- und aufnahmefähig. Dies ist aber der Grund, weshalb Schüler in die Schule gehen und nicht um dort eine Modenschau zu veranstalten. Aus diesem Grunde kann man nur sagen: So schnell wie nur irgend möglich eine "Uniform" einführen, wobei "Uniform" ja nur ein "Arbeitsbegriff" ist. Darüberhinaus wäre es sehr nachdenkenswert, ob man speziell für die 2. Tageshälfte bis zum Abend die exzessive Kinderwerbung einschränken sollte, weil es Kindern nicht gelingen kann, Werbung objektiv bewerten zu können. |
|
14.06.2003 10:11 GAST
|
Re: Schuluniformen bauen eine Gesellschaft der sozialen Kälte abEs mag ja viel stimmen, von dem was du sagst, ABER
1. Muss man sich einer Gruppe, ob jetzt bei der Arbeit, im Sport, oder sonstwo, nicht anschließen wenn man keine Uniform tragen will. Man macht es freiwillig. Aber da man in die Schule gehen muss, wird man gezwungen die Uniform zu tragen. 2. Es ist ja richtig dass man in der Schule ausgegrenzt wird, wenn man keine Markenklamotten trägt. Mir ist das bisher erspart geblieben, und wird es wohl auch weiterhin, aber, ganz ehrlich, mit Personen, die jemanden nur über die Kleidung definieren, will ich nichts zu tun haben. Klar, das hört sich leicht an wenn man selbst nicht davon betroffen ist, aber ich weiß wovon ich rede da ich ohnehin ein Außenseiter bin. Lieber verzichte ich auf solche Personen und bin allein, als Freundschaften nur auf Kleidung aufzubauen. 3. Abgesehen mal von den ersten zwei Punkten trägt man die Schuluniform, wie der Name sagt, nur in der Schule. Das heißt, am Nachmittag muss man sich doch Markenklamotten kaufen, denn kein Mensch trägt freiwillig in der Freizeit seine Berufsuniform. Dadurch wird dieses Problem nur aus der Schule verbannt, in der Freizeit kann man sich dann weiter zu Hause verstecken. Und das ist einfach zu wenig. Das Problem wird dadurch nur unterdrückt, doch diese Oberflächlichkeit besteht weiter. 4. Natürlich kann keiner sagen wie es sich entwickelt, wenn eine Schuluniform eingeführt wird, aber ich denke dass dieser Markenwahn von Kleidung auf andere Sachen übergeht, so wie Schmuck, Uhren, usw. Was will man dann machen? Soll Schmuck dann auch verboten werden? Oder soll bestimmt werden welche Haarfarbe wir haben oder welche Frisur? Diese Liste lässt sich noch lange fortsetzen, aber sollte sich der Markenwahn übertragen ist das das Resultat. Und ALLES Äußerliche für die Schüler zu unterscheiden kann ja wohl nicht wirklich Sinn der Sache sein. Es liegt bei den Erwachsenen und der Gesellschaft dieses ganze Dilemma zu beenden. Aber solange diese ganzen Schönheitsideale in den Medien vergöttert werden ist es nahezu unmöglich die Kinder so zu erziehen dass sie nicht oberflächlich sind. Außerdem sind Eltern ebenfalls viel zu oberflächlich. Zwar trichtern sie ihren Kindern immer ein, dass das Äußere nicht zählt, aber wenn man sich piercen lässt oder eine etwas seltsame Frisur hat kriegt man Ärger. Das Problem ist einfach wirklich dass die ganze Gesellschaft oberflächlich ist. Und von Kindern wird erwartet dass sie dieses Verhalten ablegen. Aber da können die Erwachsenen lange warten. |
|
24.09.2003 19:30 GAST
|
Re: Schuluniformen bauen eine Gesellschaft der sozialen Kälte ab... hm ... nö ... schuluniform = scheisse ... !!!
|
|
24.09.2003 19:31 GAST
|
Re: Re: Schuluniformen bauen eine Gesellschaft der sozialen Kälte abfind ich auch
|
|
24.09.2003 19:32 GAST
|
Re: Re: Re: Schuluniformen bauen eine Gesellschaft der sozialen Kälte abihr habt recht
|
|
11.02.2004 10:58 GAST
|
Re: Schuluniformen bauen eine Gesellschaft der sozialen Kälte abDas ist ein total gelungener Beitrag. Muß man unbedingt lesen. Bin auch für Uniformen. Sie sollten jedoch in ganz Deutschland einheitlich sein. Es muß ja nicht nur Hose,Hemd und Krawatte sein. Oder für Mädchen einen Rock. Man kann ja Pullunder, Pullover, Leggings und ähnliches anbieten, auch verschiedene Farben. Damit kann jeder seine Kleidung variieren. Ein Katalog für Schulkleidung müßte her. Naja, die Zeit wirds zeigen. Schöne Grüße an alle.
|
|
11.02.2004 11:08 GAST
|
Re: Re: Schuluniformen bauen eine Gesellschaft der sozialen Kälte abTu mal ein bischen denken.
|
|
24.06.2004 21:24 GAST
|
Re: Schuluniformen bauen eine Gesellschaft der sozialen Kälte abEs steckt durchaus ein Körnchen Wahrheit in diesem Artikel, allerdings sollte man es nicht gleich übertreiben! Ich bin selbst noch Schülerin, und finde es nicht unbedingt gut, wenn jeder das Gleiche trägt. Wo bleibt denn da die Individualität des Einzelnen? Eine einzige graue Masse von Schülern wäre für mich unvorstellbar. Klar sollte sich das Wesen eines Kindes nicht über die Kleidung entwickeln, jedoch bringt man damit seinen eigenen Stil zum Ausdruck, denn man ja bekannterweise schon früh entwickeln sollte, um nicht zur "Massenware" zu werden.
|
