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Modewettkampf und Markenterror

Schuluniformen

Wie verhindert man Modewettkampf und Markenterror? Alle ziehen das gleiche an!? Pro & Contra Schuluniformen - und ein Interview mit einer "Betroffenen".

Schüler in Schulreihen (Bild: MichaelDeLeon / istockphoto.com)
Bild: MichaelDeLeon / istockphoto.com

Mit schöner Regelmäßigkeit beschweren sich Pädagogen und Eltern darüber, dass Jugendliche teure Markenklamotten haben wollen. In den Schulkassen sei regelrecht ein Modewettkampf ausgebrochen, der finanzschwache SchülerInnen benachteilige. Die Lösung für Viele: Alle ziehen das Gleiche an! Schützenverein, Krankenschwestern, Fußballspieler - überall gibt Einheitskleidung. Warum es dann nicht mal mit Schuluniformen probieren? Die immer wiederkehrenden Argumente sind:


Pro:

  • Man schaut den Mitschüler/innen eher ins Gesicht als auf die Klamotten
  • Schulkleidung spart Geld, weil man nicht ständig mit der Mode gehen muss
  • Einheitliche Kleidung stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl
  • Integration von neuen Mitschüler/innen wird erleichtert
  • Schüler/innen, deren Eltern nicht so viel Geld haben, werden nicht zu Außenseitern, nur weil sie keine Markenklamotten tragen
  • ...?

Contra:

  • Man muss nicht gleich aussehen, um gleichwertig zu sein
  • Die Schuluniform nimmt einem die Möglichkeit, seine Indivitualität mit Kleidung auszudrücken
  • Mode macht Spaß, Uniformen sind langweilig
  • ...?

Praktische Umsetzungs-Beispiele scheint es mittlerweile in Deutschland schon so einige zu geben – so lag Schulkleidung offenbar z. B. schon vor zwei Jahren in Hamburg stark im Trend. Und natürlich gibt es auch in NRW bereits Schulen, an denen so was ausprobiert wird, wie z. B. das Gymnasium der Stadt Frechen. Auf der Internetseite wird übrigens ausdrücklich den Unterschied zwischen "Schuluniformen" und "Schulkleidung" betont – weil diese dort nicht Pflicht, sondern eine freiwillige Möglichkeit sein soll, um "...eine Identifizierung mit der Schule ausdrücken ...". Auch hier hegt man die Hoffnung, die Schulkleidung könne gegen "verbreiteten Markenwahn" helfen.

Das Ganze kann man natürlich auch übertreiben: In den USA und Brasilien sollen einige Schulen laut Zeit Online die Uniformen mittels eingebauter RFID-Chips (Link) zur Überwachung der Schüler benutzt haben – um die Anwesenheit in der Schule sicher zu stellen...



Interview mit Susan Miller (Name geändert), die als Schülerin in England eine Uniform tragen musste

C4U: Susan, hast du deine Schuluniform gerne angezogen?
Susan: Als ich jünger war, hat mich das nicht gestört. Man hat halt immer die gleichen Sachen angehabt und nicht darüber nachgedacht. Später gab’s dann Probleme, weil alle versucht haben, neben den vorgeschriebenen Kleidungsstücken ein individuelles Outfit zu haben. Das ging z. B. mit ziemlich extremen Punkfrisuren, Ohrringen, Schuhen etc. Das hat den Lehrern natürlich nicht gepasst und es gab ständig Diskussionen oder z. B. "Frisurenverbote".


C4U: Teure Markenklamotten haben bei euch wohl keine große Rolle gespielt, oder?
Susan: Doch, klar. Wenn man aus der Schule nach Hause kam, hat man sich sofort umgezogen. Das mussten dann schon modische Klamotten sein. Es ist ja nicht so, als hätten wir nicht gewusst, welche Marke gerade in ist. Das Problem war, dass viele Eltern für diese zusätzlichen Sachen nicht viel Geld übrig hatten.


C4U: Aber in der Schule konnte man nicht so einfach feststellen, wer aus reichem Elternhaus kommt?
Susan: Doch, natürlich! Wieso meinen die Leute nur, mit der Schuluniform würde man nicht mehr sehen, wessen Eltern Geld haben und wer Sozialhilfeempfänger ist? Das fängt schon damit an, dass man die Schuluniform selbst kaufen muss. Ich musste z. B. die von meiner Cousine auftragen und konnte auch nicht so oft wechseln, weil ich nur zwei Garnituren hatte. Und zwar aus pflegeleichter Kunstfaser. Die Tussis aus reichem Elternhaus hatten vier oder fünf Garnituren aus edlen Naturmaterialien, die die Haushälterin jeden Tag gebügelt hat. Da hat man natürlich Unterschiede gesehen. Und die waren auch jedem klar.


C4U: Woran konnte man denn noch Unterschiede erkennen, wenn doch alle so gleich aussehen sollten?
Susan: In England gibt es ja viele Privatschulen, die in der Regel hohe Schulgebühren verlangen. Wenn man die Schuluniform von so einer Privatschule trug, dann war man natürlich gleich was besseres. Na ja, und die, die auf eine öffentliche Schule mit einem schlechten Ruf gingen, die waren auch direkt zu erkennen. Soviel zur sozialen Gleichheit.


C4U: Was passierte eigentlich, wenn man die Uniform einfach nicht angezogen hat?
Susan: Das gab auf jeden Fall Stress. In letzter Konsequenz wäre man sicher von der Schule geflogen. Das ist aber bei uns nicht vorgekommen.


(Wi)

Der Text dieses Beitrags steht unter Creative-Commons-Lizenz: Was bedeutet das?

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