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Bewusst kaufen

Wie funktioniert "Fairer Handel"?

Anke Engelke oder Clueso sind nur zwei Beispiele für viele Prominente, die den "Fairen Handel" unterstützen. Was aber hat es damit eigentlich auf sich?

Schild mit zwei Richtungen (Bild: n-media-images / fotolia.com)
Bild: n-media-images / fotolia.com

Stellt euch vor: Ihr geht seit frühester Jugend jeden Tag mit euren Eltern auf dem Feld arbeiten, Zeit für die Schule ist bei der Plackerei sowieso nicht, weshalb auch keine Aussicht besteht, irgendwann mal was anderes zu machen. Ihr wisst also genau, dass das höchstwahrscheinlich euer Leben lang so sein wird und könnt obendrein noch nicht mal wirklich davon leben. Wenn ihr später selbst Kinder habt, bleibt euch nichts anderes übrig, als die auch zur Feldarbeit zu schicken. Andere Perspektiven: Null. Eine Schreckensvision? Nun, für viele Kinder und Jugendliche in so manchem Entwicklungsland ist das Alltag.


Der "unfaire Handel"

Ohne Fairen Handel läuft das in den Entwicklungsländern (vor allem in vielen Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas) meistens so: Bauern sind gezwungen, ihre Ware an Zwischenhändler zu verkaufen, und die verkaufen diese Ware dann an Konzerne und verarbeitende Betriebe weiter. Um möglichst großen Profit zu machen, zahlen diese Zwischenhändler den Bauern extrem wenig - wogegen die Bauern nichts machen können, da sie auf die Abnahme durch die Zwischenhändler angewiesen sind, ganz nach dem bitteren Motto "lieber wenig kriegen als gar nichts". Wenn der Preis (z.B. für Kakao) auf dem Markt sinkt, kriegen die Bauern prompt weniger Geld, aber sie bekommen nicht mehr, wenn er steigt - und am meisten verdienen immer die Händler und die Hersteller. Obendrein müssen die Bauern ihnen auch noch Saatgut und Dünger abkaufen, verschulden sich dabei und werden somit noch abhängiger von ihnen und ihren niedrigen Preisen, als sie es ohnehin schon sind. Das klingt alles ziemlich unfair? Eben.


Aufgebrochene Kakaofrucht

Die faire Variante

Nehmen wir an, einige Konzerne lassen die betrügerischen Zwischenhändler einfach links liegen, gehen statt dessen direkt zu den Bauern und sagen: "Wir zahlen euch höhere Preise, bieten euch langfristige Abnahmegarantien, Zuschläge zur Altersvorsorge und außerdem günstige Kredite, damit ihr euch eigene Maschinen oder Saatgut kaufen könnt." Klingt doch schon besser - und genau das ist mit dem "Fairen Handel" gemeint. Allerdings funktioniert das noch nicht für alle Bauern und auch nur so lange, wie die Produkte, die dabei entstehen, in reichen Ländern auch gekauft werden! Und diese Reichen sind global gesehen halt immer noch wir.


Was und wo man fair kaufen kann

Siegel von Fairtrade

Was gibt's dann da so? Jedenfalls nicht nur Kaffee oder Kakao, sondern auch Honig, Schokolade, Tee, Kekse, Süßwaren, Orangensaft, Wein, Bananen, Zucker. Ebenso sind auch Fußbälle, Jeans, T-Shirts und trendige Sneakers oder Chucks erhältlich. Erkennen kann man fair gehandelte Produkte an entsprechenden Logos wie dem Fairtrade-Logo. Das findet man auf immer mehr Produkten im Bioladen, Supermarkt oder Discounter. Oder ihr schaut euch mal im nächsten Weltladen um, da gibt es noch mehr faire Produkte von Imorteuren wie GEPA, El Puente, dwp oder banafair.


Faire Klamotten findet ihr vor allem im Internet, aber es gibt auch immer mehr faire Boutiquen. Im Textilbereich findet ihr unter anderem die Siegel GOTS, IVN Best, bluesign und Fair Wear Foundation, die auch für bessere Arbeitsbedingungen stehen. In den großen Kaufhäusern könnt ihr auch nach fairer Kleidung fragen. Übrigens sind fair gehandelte Produkte nicht immer teurer als herkömmliche. Vergleicht mal die Preise!


Label und Siegel

Auf Produkten finden sich viele Symbole, die verschiedene Qualitätseigenschaften hervorheben sollen. Was sie bedeuten, erklären wir in unserem Artikel über Label und Siegel.



(Wi)

Der Text dieses Beitrags steht unter Creative-Commons-Lizenz: Was bedeutet das?

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2 Kommentar(e)

  • Campano
     

    Trotz Fairtrade-Siegel auf das Kleingedruckte achten

    ... denn lt. eines TV-Berichts dürfen sog. Ausgleichsmengen eingerechnet und Milchprodukte herausgerechnet werden, was anhand eines Schokoeises(Fantasiename: Fairlati)eindringlich dargestellt wurde. Im Endeffekt stammte nur ein Bruchteil der Zutaten, nach meiner Erinnerung - rd. 6 % - tatsächlich aus fairem Handel, wo hingegen ein Anteil von rd. 70 % völlig legal auf dem Etikett ausgelobt werden durfte. Leider ist die Realität oft komplizierter als sie scheint ...

    Der Beitrag wurde nach gestern abend im SWR (?) gesendet. Meine Bitte an die Redaktion, den Sachverhalt mal zu recherchieren und ggfls. diese Info zu ergänzen.

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  • checked4you
     

    Kleingedrucktes bei Fairtrade

    Hallo Campano,
    der sogenannte Mengenausgleich ist in dem Film nicht richtig dargestellt. Was ist Mengenausgleich genau? Für die vier Produktgruppen Kakao, Tee, Zucker und Orangensaft gibt es bei Fairtrade den Mengenausgleich. Das bedeutet, dass fair gehandelte Ware mit konventioneller Ware vermischt wird. Die Vermischung kann entweder in der Weiterverarbeitung im Ursprungsland oder in einem Weiterverarbeitungsbetrieb in Europa stattfinden. Es kann also sein, dass eine Schokolade mit dem Fairtrade-Siegel gar keine fair gehandelten Rohstoffe enthält, weder Kakao noch Zucker. Dafür kann eine konventionelle Schokolade Fairtrade-Rohstoffe enthalten. Ein Unternehmen kann maximal nur so viele faire Produkte verkaufen, wie es entsprechend fair gehandelte Rohware eingekauft hat (das ist also vergleichbar mit dem Ökostrom-Markt bei uns - man zahlt für die Produktion von Ökostrom, der Strom, der zuhause ankommt, kann aber irgendein Strom sein). Die Kontrolle erfolgt über die Dokumentation der Waren- und Geldströme und wird von der Kontrollorganisation FLO-CERT überprüft. Ein wesentlicher Grund für den Mengenausgleich ist, dass eine Trennung relativ kleiner Chargen gerade für kleine Produzenten/Unternehmen nicht möglich oder teurer ist. Die Verbraucherzentrale NRW fordert aber, dass der Mengenausgleich auf den Produkten gekennzeichnet und im Internet erklärt wird. Zudem sollte der Mengenausgleich nur eine zeitlich befristete Ausnahme sein, bis die technischen Voraussetzungen für eine Trennung gegeben sind.
    Auch ist der Mengenausgleich nicht so beliebig, wie in dem SWR-Beitrag dargestellt. Zusätzlich gibt es die Regel, dass alles was als faire Zutat verfügbar ist, auch verwendet werden muss ("alles was geht, muss"). Auch das ist in dem Beitrag nicht richtig dargestellt, weil beliebig fairer und "konventioneller" Kakao verwendet wurden. Man hätte komplett fairen Kakao verwenden müssen, auch wenn dieser wegen des Mengenausgleichs in der Tat nicht unbedingt fair sein muss.
    Mehr zu diesem Thema und den Forderungen der Verbraucherzentrale NRW findest du hier: https://www.verbraucherzentrale.nrw/position-fairer-handel
    Wir nehmen das mal als Thementipp und werden einen Artikel dazu hier auf checked4you erstellen. Danke für den Hinweis!

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