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Glückslos oder Niete

Gewinnspiele – was ist erlaubt?

"Teilnehmen kann nur, wer unser Produkt kauft", "Glückwunsch, Sie dürfen sich eine Prämie aussuchen" oder statt eines Autos wird nur ein Poster verlost - dürfen die Firmen das alles so machen?

Geldscheine regnen auf eine Frau mit ausgebreiteten Armen herab. Bild: Franz Metelec / Fotolia.com
Bild: Franz Metelec / Fotolia.com

Die Grundregel vorweg: Wenn jemand einen Gewinn auslobt, muss es ihn auch tatsächlich geben und er muss ausgespielt werden. Verlost also jemand etwas, ohne dabei seine Identität anzugeben (zum Beispiel eine Website, die gar kein Impressum hat), ist da etwas ganz schön faul. Also lieber die Finger davon lassen!

Aber auch seriöse Anbieter nutzen Methoden für Gewinnspiele, bei denen man sich immer mal wieder fragt, ob die das überhaupt dürfen. Hier sind Beispiele:

Das Sternchen und das Kleingedruckte

Das klingt echt toll: Einfach eine Fan-Page auf Facebook liken und schon kann man ein Auto gewinnen. Was kaum einer beachtet: Hinter dem Wort "Auto" ist ein kleiner Stern (also: Auto*) und wer in der Beschreibung der Fan-Seite dann guckt, was sich hinter dem Stern verbirgt, erkennt, dass lediglich ein Poster verlost wird, das ein Auto zeigt.

Eine hervorgehobene Aussage muss für sich genommen richtig sein. Unklare Angaben dürfen mit einem * versehen und irgendwo anders erläutert werden, wenn hierdurch eine Irreführung ausgeschlossen wird. Das heißt also für die Teilnehmer: Wo ein * steht, immer nach der Aufklärung suchen! Wer keine findet, sollte vielleicht die Finger von so einem Gewinnspiel lassen.

Der Kaufzwang

Manchmal darf man nur an einem Gewinnspiel teilnehmen, wenn man vorher etwas von der Firma kauft, die das Gewinnspiel veranstaltet. Das kann tatsächlich okay sein. Rechtswidrig sind jedoch solche Kopplungen z.B. wenn eine "extreme Anlockwirkung" besteht. Ob das so ist, muss für jeden Einzelfall geprüft werden.

Einwilligung in Werbung

Oft muss man zur Teilnahme an einem Gewinnspiel zustimmen, dass der Anbieter einen anrufen darf oder Post bzw. E-Mails schicken darf. Das ist in vielen Fällen tatsächlich erlaubt, denn zur Teilnahme an einem Gewinnspiel wird niemand gezwungen. Dabei sollten aber die Erläuterungen im Kleingedruckten sehr genau gelesen werden. Oft erlaubt man mit seiner Unterschrift gleichzeitig, dass die Daten weiterverkauft werden dürfen. Wer nachträglich keine Werbung mehr bekommen möchte, kann seine Einwilligung widerrufen. Dafür gibt es von der Verbraucherzentrale einen Musterbrief. Der Widerruf muss dann aber an jedes Unternehmen geschickt werden, das die Daten hat und kostet möglicherweise sehr viel Zeit.

Das Glückwunschschreiben

"Gewinnbenachrichtigungen" kommen per E-Mail oder per Post. Da wird dann zu einem hohen Geldbetrag gratuliert - zumindest wirkt es auf den ersten Blick so. Denn etwas kleiner gedruckt steht vor dem hohen Geldbetrag schon mal ein "die Chance auf", was den Gewinn schnell zur Niete macht. Dann ist das ganze Schreiben eine Täuschung und der Empfänger hat keinen Anspruch auf einen Gewinn. Anders ist es aber, wenn man etwa namentlich als schon feststehender Gewinner genannt wird. Dann kann der Empfänger den versprochenen Gewinn sogar einklagen. Allerdings ist das mit vielen Hürden verbunden - erst recht, wenn die Firma im Ausland setzt. Hilfe bei der Beurteilung einer Gewinnbenachrichtigung bieten die Verbraucherzentralen vor Ort.

Die SMS

Den Aussichten auf tolle Gewinne per SMS haben wir einen separaten Artikel gewidmet: iPhone oder Gutschein per SMS gewinnen?

Der Anruf

Bei einer Losziehung hat man angeblich einen Preis gewonnen und darf sich aus mehreren Präsenten eines aussuchen. Außerdem könne man eine Zeitschrift vergünstigt abonnieren. Was wie ein toller Gewinn verkauft wird, ist eine hinterlistige Masche, um Zeitschriften-Abos mit einer ganz normalen Werbeprämie zu verkaufen. Die Anrufer behaupten häufig, im Namen eines Mobilfunkanbieters oder einer anderen bekannten Firma anzurufen. So wird vermieden, dass der Angerufene zum Beispiel fragt, woher der Anrufer seine Daten hat. Denn ohne dass man sein Einverständnis gegeben hat, sind solche Anrufe überhaupt nicht erlaubt.

Wer nach dem Telefonat feststellt, dass er gar kein Abonnement der Zeitschrift haben will, kann klären lassen, ob überhaupt ein wirksamer Vertrag geschlossen wurde. Ist das tatsächlich der Fall, gibt es noch das Widerrufsrecht. Das bedeutet: Ohne einen Cent zu zahlen, kann der Angerufene vom Vertrag Abstand nehmen. Die Frist dafür beträgt 14 Tage und beginnt, sobald du das erste Mal die Ware erhalten hast. Weil das alles knifflig ist, sollte ein Experte ran - zum Beispiel von der Rechtsberatung der Verbraucherzentrale. Um einen möglichen Vertrag später widerrufen zu können, ist es wichtig, während des Gesprächs nach einer Postadresse der Firma zu fragen! Wird die nur zögerlich oder gar nicht genannt, ist meistens etwas faul und man sollte auflegen.

Keinesfalls sollte man seine Bankdaten angeben! Die könnte genutzt werden, um unberechtigt Geld abzubuchen. Geschieht das, sollte unbedingt Anzeige bei der Polizei erstattet werden.

Die Gewinnspiel-Hotline

"Treffen Sie Leitung 10 und schon werden Sie durchgestellt", ist eine häufige Aussage im Radio oder Fernsehen. Die Hörer/Zuschauer sollen eine Telefonnummer wählen, die mit 0137 beginnt und im Festnetz gerne 50 Cent pro Anruf kostet - und vom Handy ist es noch teurer. Auch wenn man häufig anruft und nie "Leitung 10" erwischt: Das ist erlaubt, solange der Veranstalter des Gewinnspiels verständlich darüber aufklärt, dass es nur eine "Gewinnerleitung" gibt. Außerdem müssen die Kosten auch beim Anrufen angesagt werden. Ob man sich darauf einlässt und teilnimmt und wie oft man anruft, entscheidet dann jeder selbst.

Die Kundenkarte

Manchmal veranstalten Unternehmen spezielle Gewinnspiele für Inhaber einer Kundenkarte. Je öfter sie die Karte einsetzen, desto größer wird ihre Gewinnchance. Damit versuchen die Firmen natürlich, ihre Kunden noch öfter in die Geschäfte zu locken und kräftig einkaufen zu lassen. Ob das okay ist, liegt daran, was in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zur Karte steht. Wer nicht am Gewinnspiel teilnehmen möchte, kann ja beim Einkauf einfach seine Kundenkarte stecken lassen, bis das Gewinnspiel vorbei ist.



Du hast weitere Fragen zu Gewinnspielen und was darin erlaubt ist? Stelle sie uns als Kommentar unter diesem Artikel!


(hamo)

Der Text dieses Beitrags steht unter Creative-Commons-Lizenz: Was bedeutet das?

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4 Kommentar(e)

  • Chrissi
     

    Wie hoch darf der Gewinn sein?

    Hallo,

    hier mal 2 Fragen deren Antworten sich nicht im WWW finden ließen:

    1. Wie hoch darf ein Gewinn bei einem Gewinnspiel sein?
    2.Wie oft darf man Gewinnspiele veranstalten?

    Viele Grüße!

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  • checked4you
     

    @Chrissi

    Hallo Chrissi,
    für ausgelobte Gewinne gibt es keine Höchstgrenze. Aber jeder, der einen konkreten Gewinn in Aussicht stellt, muss ihn am Ende auch ausgeben. Davon zu unterscheiden ist nur die Chance auf einen Gewinn. Als Teilnehmer muss man immer genau hinsehen, ob tatsächlich ein Gewinn in Aussicht gestellt wird oder eine Chance auf einen Gewinn.
    Auch die Häufigkeit von Gewinnspielen ist nirgends begrenzt.

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  • Susanne
     

    Gewinneinlösung nur mit Geld möglich

    Wir haben bei Zott einen 2für1 Gutschein für das Legoland gewonnen. Bekommen diesen aber nur, wenn wir direkt die zweite Karte für 42 Euro dazu kaufen. Es besteht keine Möglichkeit die zweite Karte erst vor Ort zu kaufen, also erst dann wenn wir den Park auch wirklich besuchen. Dazwischen kommen kann ja bekanntlich immer etwas...

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  • checked4you
     

    Re: Gewinnspieleinlösung nur mit Geld möglich

    Hallo Susanne,
    eine direkte Antwort, ob das zulässig ist oder nicht, können wir dir leider nicht geben. Es kommt zum Beispiel darauf an, wie in den Teilnahmebedingungen des Gewinnspiels auf deinen Gewinn hingewiesen wurde. Wenn du möchtest, können die Rechtsberater der Verbraucherzentrale NRW gerne einen Blick darauf werfen. Dazu müsstest du bitte einen Termin vereinbaren oder die telefonische Beratung nutzen. Infos gibt's hier: https://www.verbraucherzentrale.nrw/rechtsberatung?returnto_=link1132667A&mode=1&leistung=a028
    Du kannst dein Problem auch gerne in einer E-Mail an kontakt@verbraucherzentrale.nrw schildern. Falls du Fotos oder Screenshots der Teilnahmebedingungen hast, schick sie gerne mit.

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