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Google Now und Gmail

Google liest jetzt auch Rechnungen in Mails

Wer Android ab Version 4.1 hat, hat auch Google Now. Ist diese App aktiviert, nimmt sie einen Teil unseres Lebens in die Hand. Und was sie in den USA schon kann, ist noch bedenklicher.

Bildschirmaufnahme der App "Google Now".
So sieht der Suchschlitz bei Google Now auf dem Smartphone aus. Die Bilder können variieren - je nach Laune der App.

Die Idee klingt erstmal cool: Eine App auf meinem Phone sagt mir, wie viele Rechnungen ich noch bezahlen muss und wann ich wie viel Geld abdrücken muss. Das bietet Google Now jetzt in der englischen Sprachversion an, wie Google angekündigt hat. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis diese Funktion auch in Deutschland verfügbar ist. Die App ist bei Android ab Version 4.2 integriert, muss aber aktiviert werden. Auch für Apple-Geräte ist Google Now zu haben.

Um an die nötigen Informationen zu kommen, scannt Google die Mails im Gmail-Account nach Rechnungen und analysiert diese. Die Mailbox erhält jeder automatisch mit der Erstellung eines Google-Kontos. Nutzen muss er sie jedoch nicht.

Die Ankündigung, künftig an zu zahlende Rechnungen zu erinnern, wird auf Google+ von vielen Fans mit Begeisterung gefeiert. Nur wenige sehen in Googles Vorgehen die Gefahren. Denn es bedeutet: Google liest jede Mail mit. Das ist so, als würde der Postbote jeden Brief öffnen und lesen, bevor er ihn in den Briefkasten steckt.

Dass bei Google keine Mail ungelesen bleibt, zeigt schon die Werbung, die auch in Deutschland passend zum Inhalt einer Nachricht daneben angezeigt wird. Wer Gmail nutzt, sollte an einem Desktop-PC mal drauf achten: meistens stehen die Werbebanner inhaltlich irgendwie mit der Mail in Verbindung.

Auch in der deutschen Version von Google Now geht dieser Abgleich schon weiter. Zum Beispiel werden die E-Mails gescannt nach dem Zustelltermin eines Pakets, den euch ein Onlineshop gemailt hat. Wird Google Now fündig, öffnet es eine so genannte Karte mit dem entsprechenden Mail-Inhalt, um euch daran zu erinnern. Gleiches gilt für die Bestätigung gebuchter Flüge.

Google Now weiß, wo sich sein Nutzer wann befindet. Es lernt, wo er wohnt und zur Schule geht oder arbeitet, welchen Weg er dorthin und zurück nimmt und empfiehlt anhand von aktuellen Verkehrsdaten unter Umständen, eine andere Route zu nehmen, weil die gewohnten Straßen verstopft sind. Bei Terminen, die in den Kalender mit Ortsangabe eingetragen sind, erinnert Google Now rechtzeitig daran, loszugehen, um pünktlich anzukommen.

Einen kurzen Einblick in die App und ihre Einstellungsmöglichkeiten liefert unsere Bildergalerie:




Alles in allem ist Google Now ein wichtiges Beispiel für die Bedeutung des Datenschutzes. Das Erfassen von Rechnungen eröffnet nun theoretisch viele weitere Möglichkeiten: zum Beispiel Scoring. Das bedeutet, den Nutzer nach seiner Kaufkraft einzustufen: Wofür er sein Geld ausgibt, wie viel er ausgibt und vor allem wie zuverlässig er bezahlt. Deshalb sollte jeder am besten schon vor der Installation einer App überlegen, ob die vermeintlichen Vorteile wirklich ihren Preis wert sind.


(hamo)

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