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Was mit Verpackungen passiert

Joghurtbecher auf der Haut?

So ein Joghurtbecher hat durchaus Chancen, ein zweites Leben als Plastikstuhl oder Fleece-Pullover zu starten. Optimal läuft das aber noch nicht: 60 Prozent unseres Plastikmülls werden nach wie vor verbrannt.

Ein großer Haufen Plastikmüll (Bild: Alterfalter / fotolia.com)
Bild: Alterfalter / fotolia.com

Rund 54kg Plastikmüll produziert jeder von uns im Jahr. Ein Drittel davon fristete davor nur ein kurzes Leben, wie eben jener Joghurtbecher. Kaum produziert, ist der Joghurt schon heraus gekratzt, und der Becher findet sich in der Sortieranlage wieder ...


Maschine trennt die Plastiksorten

Zunächst einmal aber befindet sich der Becher in wahrlich bunter Gesellschaft. Denn im gelben Sack oder in der gelben Tonne (in einigen Städten inzwischen auch Wertstofftonne genannt) sind auch Konservendosen, Milchtüten oder die Joghurtdeckel. Der gesamte Tonneninhalt gelangt dann mit dem Müllwagen zur Sortieranlage. Dort trennen Maschinen die Verpackungen: Blech kommt zu Blech, Aluminium zu Aluminium, Kunststoff zu Kunststoff und so weiter. Intelligente Geräte können sogar herausfinden, welche Art Plastik ein Teil ist. So werden sogar die Joghurtbecher von den PET-Einwegflaschen getrennt.


Gute Sortierung ist wichtig

Derart separiert, werden die Verpackungen schließlich gereinigt. Besonders wertvoll ist Müll dann, wenn es sich nur um einen einzigen Rohstoff handelt. Alufolien, Dosen und PET-Flaschen zum Beispiel können teuer weiterverkauft werden. Es gibt tatsächlich Müll-Händler - die Nachfrage nach gut sortiertem Plastik-Müll ist groß. Denn so kommen Hersteller günstiger an die Rohstoffe, als wenn sie diese neu kaufen würden. Müllhandel, das ist inzwischen ein richtiger Wirtschaftszweig geworden. Das Kunststoffrecycling passiert dann allerdings oft nicht in Deutschland, sondern in Asien. Dort ist es billiger.


PET kann dann - chemisch gereinigt - erneut zu Flaschen werden. Ohnehin ist PET ein Kunststoff, der sich gut weiter verwerten lässt. Es gibt ihn meistens nur in zwei Farben (durchsichtig oder hellblau-durchsichtig). Und PET ist "sortenrein", wie der Fachmann es nennt. Das sind Joghurtbecher jedoch nicht. Sie bestehen oft aus verschiedenen Kunststoffen und sind verschiedenfarbig. Als Verpackungen für Lebensmittel darf das Material dann sowieso nicht mehr verwendet werden. Aus Hygienegründen.


Zerkleinert und geschmolzen

So werden die Joghurtbecher zusammen mit anderem Plastikmüll zerkleinert. Diese Kunststoffgranulate können dann ebenfalls verkauft werden. Eingeschmolzen können sie zu neuem Leben erweckt werden - zum Beispiel in Form von Plastikstühlen oder Kabelhüllen. Oder aber der Kunststoffmüll wird modisch: als Fleece-Pullover. Einige Hersteller verwenden recycelte Rohstoffe als Kunstfasern für Bekleidung.


Die Geschichte vom Weg des Joghurtbechers zum warmen Pulli hat leider einen Haken. Denn Tatsache ist, dass insgesamt 60 Prozent unseres Plastikmülls nach wie vor verbrannt werden. Die schlecht recycelbaren Kunststoffe aus der Gelben Tonne gelangen nicht einfach in die Müllverbrennungsanlage, sondern werden als sogenannter "Ersatzbrennstoff" anstelle von Kohle oder Öl in Fabriken benutzt. Optimales Recycling ist das natürlich nicht. So werden viele, viele Joghurtbecher nie als Kleidung & Co. weiterleben ...


Insofern ist der umweltfreundlichste Müll der, der gar nicht erst anfällt.


(AB)



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