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Augmented Reality

Kritik an Pokémon Go: Niantic ändert AGB

Rausgehen und Comicwesen fangen: Pokémon Go fasziniert Menschen weltweit. Hier ein paar Tipps und Überlegungen zum Hype.

In der App Pokémon Go werden Pokémons in reale Bilder auf dem Smartphone eingeblendet. Foto: Nianticlabs
Foto: NianticlabsTaucht ein Pokémon auf dem Smartphone auf, kann man es mit Pokébällen einfangen.

Kosten

Die App selbst ist kostenlos – aber das sind viele Spiele-Apps zunächst. Wie beim Prinzip "Free-to-play" häufig üblich, kann man auch hier per In-App-Kauf App-Geld ("Pokémünzen") erwerben, womit man dann wiederum zusätzliche Ausrüstung kaufen kann. Die Preise variieren je nach Menge der "Pokémünzen" zwischen 99 Cent und knapp hundert Euro. Und das ist nicht unwichtig für's Spiel, denn so kann man z.B. Gegenstände kaufen, mit deren Hilfe man Pokémons anlocken oder fangen kann. Das Prinzip dürfte also klar sein: Es spielt sich leichter, wenn man was dazu kauft. Ob es euch das wert ist, könnt ihr dann nur selbst entscheiden.


Außerdem wollen die Macher der App wohl damit Geld verdienen, dass sie Pokéstops an Firmen verkaufen, wie der Geschäftsführer von Nianticlabs, John Hanke, zum Start der App in einem Interview der Financial Times erklärt hatte. Die Firmen können euch dann in ihre Geschäfte locken, damit ihr dort einkauft und mit Goodies für eure Pokémons belohnt werdet. Ähnlich machen es die Entwickler schon in ihrer anderen App Ingress.


Naja, und eure Daten sind auch eine Währung bei der ganzen Sache – mehr dazu im nächsten Punkt.


Was passiert mit euren Daten?

Wir haben uns natürlich auch die Datenschutzerklärung des App-Anbieters Nianticlabs angesehen. Darin wird schon mal gesagt, dass alle gesammelten und gespeicherten Daten der Firma gehören. Sollte Nianticlabs von einem anderen Unternehmen gekauft werden, bekommt das also auch eure Daten. Und die können dann natürlich mit denen, die das Unternehmen bereits von euch hat, zusammengeführt werden.


Über Pokémon Go sammelt Nianticlabs unter anderem die Gerätekennung und kann euch in Verbindung mit eurem Login eindeutig identifizieren. Weil das Spiel auf den Standort eures Geräts zugreifen muss, kann der Anbieter auch immer herausfinden, wo ihr gerade seid. Nianticlabs erklärt, dass die Infos genutzt werden könnten, um die App zu personalisieren. Heißt also: eure Freunde bekommen möglicherweise andere Pokémons als ihr oder finden was an Orten, an denen ihr nichts findet. Und dann ist da ja noch die Sache mit der Werbung, die wir schon im Punkt "Kosten" erwähnt haben.


Noch spannender finden wir solche Sätze, die aussagen, dass Nianticlabs die Infos über euch nach eigenem Ermessen an Regierungen, Strafverfolgungsbehörden oder private Beteiligte offenlegen könnten. Das kann z.B. passieren, wenn der Anbieter etwas für illegal oder unethisch hält. Nun wissen wir spätestens seit der Diskussion um Nacktfotos auf Facebook, dass US-Amerikaner ein anderes Verständnis von Ethik haben als wir Europäer. Aus der Datenschutzerklärung kann man also lesen: Wenn Mitarbeiter von Nianticlabs der Meinung sind, ihr hängt zu oft in Gegenden mit Menschen bestimmter sexueller Neigungen oder Glaubensrichtung rum, können sie es ja mal jemandem stecken – z.B. der amerikanischen Heimatschutzbehörde, die euch dann beim nächsten USA-Urlaub erst mal eine Menge Fragen stellt.


Niantic lenkt nach Abmahnung ein

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat Niantic Labs wegen einiger kritischer Punkte erfolgreich abgemahnt. Das Unternehmen will seine Nutzungs- und Datenschutzbedingungen bis Ende 2016 überarbeiten.



Persönlichkeitsrechte, oder: Der Unmut anderer

Nicht jeder möchte gerne einfach so gefilmt werden, und man darf das auch nicht einfach so tun. Das mag zwar nicht das Ziel der App sein, aber für viele könnte es so aussehen, wenn sie unwissentlich neben einem Pokémon stehen – und auf Screenshots wären sie ja auch mit drauf. Darauf solltet ihr Rücksicht nehmen, indem ihr z.B. einfach kurz klarstellt, was da gerade abgeht – und wartet, bis die Leute aus der "Schusslinie" verschwunden sind. Das verhindert manchmal auch, dass Anwohner die Polizei rufen, weil fremde Menschen in ihrer Straße "irgendwas mit den Handys" machen.


Zieht viel Akku und Daten

Pokémon Go zieht viel Strom. User berichten, dass ihre iPhones und Android-Geräte nach etwa drei Stunden schlapp machen. Aber nicht nur das: die App braucht auch immer wieder Daten. Um das zu reduzieren, könnt ihr euch z. B. vor dem Spielstart (am besten in einem WLAN) eure Umgebung als Offline-Karte in Google Maps (Grundlage der App zum Navigieren) herunterladen. Das geht so:

  • Google Maps öffnen
  • Links oben neben dem Suchschlitz auf die drei waagerechten Striche tippen
  • Offlinekarten antippen
  • Unten rechts aufs '+' tippen

Den entsprechenden Kartenausschnitt auswählen (durch Rein- und Rauszoomen werden weniger oder mehr Kartendaten gespeichert).

Anleitung zum Speichern von Offline-Karten in Google Maps.
Screenshots: Google Maps/checked4you

Darüber hinaus könnt ihr mit einigen Einstellungen an eurem Smartphone Akku sparen. Wenn ihr länger unterwegs seid, solltet ihr auch ein mobiles Ladegerät mitnehmen.


Hausfriedensbruch und eigene Sicherheit

Vereinzelt liest man bereits von Warnungen, dass Kriminelle Poké-Stops genutzt haben, um Suchende dort zu erwarten und zu überfallen. Das dürften zumindest bislang krasse Einzelfälle sein, aber prinzipiell ist es natürlich denkbar, dass das Spielprinzip auf solche Weise missbraucht werden könnte. Insofern lautet unser Tipp: Je nach Gegend vielleicht lieber mit mehreren Leuten unterwegs sein. Und besser nicht, wenn's dunkel ist.


Ein bisschen Benehmen schadet auch nicht: Lauft nicht vor lauter Eifer in Kirchen oder gar Krankenhäusern herum auf der Suche nach dem nächsten Poké-Stop. Von anderen privaten Räumlichkeiten oder Grundstücken mal ganz abgesehen. Macht ihr dabei aus Versehen was kaputt, würde zwar eine private Haftpflichtversicherung (sofern vorhanden) den Schaden bezahlen. Aber der Eigentümer könnte euch etwa wegen Hausfriedensbruchs anzeigen. Und mutwillig etwas zerstören oder gar irgendwo einbrechen solltet ihr natürlich auch nicht! Bleibt also am besten an öffentlichen Orten oder betretet private Bereiche nur, wenn ihr wisst, dass der Eigentümer das okay findet. Und natürlich solltet ihr vor lauter Suchen nicht vergessen, auf den Verkehr oder im Weg stehende Laternenpfähle zu achten – klingt nach Slapstick, kann aber eine ernste Sache werden. Und was die Schäden anderer betrifft: s. nächster Punkt.


Was ist bei Unfällen?

Wenn der Jagdtrieb so groß ist, dass du z.B. ohne auf den Verkehr zu achten auf eine Straße läufst und dadurch einen Unfall verursachst, zahlt in der Regel eine private Haftpflichtversicherung die entstandenen Schäden. Voraussetzung ist natürlich, dass du eine hast oder deine Eltern eine haben, über die du mit versichert bist.


Wenn du am Steuer eines Autos sitzt, solltest du natürlich generell kein Handy benutzen. Wenn dann nämlich etwas passiert, kann die Kfz-Versicherung die Zahlung deiner Schäden verweigern.


(Wi / hamo)

Der Text dieses Beitrags steht unter Creative-Commons-Lizenz: Was bedeutet das?

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