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Typische Beispielfälle

Meine Rechte als Käufer

Shopping macht Spaß, läuft aber nicht immer so, wie man es sich erträumt hat. Vor allem wird es ärgerlich, wenn man erst zu hause merkt, dass da einiges daneben gegangen ist. Wir haben einige "typische" Beispielfälle gesammelt und mit Kommentaren versehen.

Einkaufspassage und Frau mit Tüten (Bild: jonasginter / fotolia.com)
Bild: jonasginter / fotolia.com

Beispiel 1: Pullover hat die falsche Farbe!

Du hast dir heute morgen einen Pullover gekauft. Zuhause hast du dann festgestellt, dass dir die Farbe gar nicht steht. Kannst du ihn umtauschen?


Nur wenn du Glück hast. Man kann gekaufte Dinge nicht einfach deshalb ins Geschäft zurückbringen, weil sie einem nicht gefallen. Auch dann nicht, wenn man sie noch nicht benutzt hat. Manche Geschäfte räumen ihren Kunden allerdings freiwillig ein Umtauschrecht ein - aber meist nur innerhalb von ein bis zwei Wochen und ausschliesslich gegen Vorlage des Kassenbons. Und natürlich muss die Ware unbeschädigt sein. Geld zurück gibt’s aber auch nicht immer. Oft wird einem nur ein Warengutschein angeboten, den man gegen etwas anderes eintauschen kann.



Beispiel 2: Pullover hat Wollknötchen!

Der Pullover, den du dir vor zwei Monaten gekauft hast, hat schon nach viermaligem Tragen überall so blöde Wollknötchen. Du hast ihn immer genau nach Anleitung gewaschen und auch sonst sorgfältig behandelt. Was kannst du tun?


Du kannst mit dem Pullover in das Geschäft zurückgehen, wo du ihn gekauft hast (Kassenbon nicht vergessen!) und zunächst "Nacherfüllung" verlangen. Unter "Nacherfüllung" versteht man die Reparatur der Sache oder eine Ersatzlieferung, in diesem Fall also ein neuer Pullover. Da aber zu befürchten ist, dass das Problem dabei wieder auftritt, kommt dies bei deinem Pullover wohl nicht in Frage. Wenn der Fehler dadurch nicht beseitigt werden kann, der neue Pullover also auch diese Wollknötchen bekommt, kannst Du "mindern" oder vom Vertrag zurücktreten. "Minderung" bedeutet, dass man die Ware zwar behält, aber einen Teil des Kaufpreises zurückbekommt, weil sie einen Mangel hat. "Rücktritt" ist die Rückabwicklung des Kaufvertrags, mit anderen Worten: Man bekommt sein Geld und gibt im Gegenzug die Fehlerhafte Ware zurück.



Beispiel 3: MP3-Player immer wieder kaputt...

Du hast dir vor fünf Monaten einen relativ teuren MP3-Player gekauft. Das Ding ist ständig kaputt! Einmal konnte man nicht richtig von Stück zu Stück skippen, dann war der Ton weg, jetzt hat der Kopfhörer einen Wackelkontakt. Das Geschäft hat das Teil zwar jedes Mal kostenlos repariert, aber das dauerte immer eine Ewigkeit. Zusammengerechnet war das Gerät inzwischen drei Monate in Reparatur. Musst du das hinnehmen oder kannst du dich dagegen wehren?


Rechtlich gesehen muss man es akzeptieren, wenn der Verkäufer ein defektes Gerät innerhalb der vorgeschriebenen zwei Jahre nachbessern, d.h. reparieren will. Aber der Verkäufer darf das trotzdem nicht beliebig oft versuchen. Nach dem Gesetz kann er grundsätzlich zweimal nachbessern oder dir einmal das gleiche Gerät anbieten - diesmal natürlich ohne Fehler. Wichtig ist: Die Nachbesserung muss der Verkäufer bezahlen. Es ist unzulässig, dass dem Käufer beispielsweise Kosten für Porto, Ersatzteile o.ä. in Rechnung gestellt werden. In deinem Fall kannst du also mit gutem Recht vom Vertrag zurücktreten. Einen weiteren Nachbesserungsversuch musst Du nicht dulden.



Beispiel 4: Radiowecker reparieren?

Der Reisewecker, den du deinem Bruder vor ein paar Tagen zum Geburtstag geschenkt hast, funktioniert nicht richtig. Den Kassenzettel hast du noch, und am liebsten möchtest du den Wecker gegen einen Funktionstüchtigen eintauschen - der Laden steht voll mit den Dingern, die werden ja wohl nicht alle kaputt sein. Geht das, oder muss man erst ein paar Reparaturversuche hinnehmen?


Grundsätzlich kannst Du als Käufer die Art der Nachbesserung – als Reparatur oder Ersatzlieferung - wählen. Wenn es sich um einen so genannten "Serienartikel" handelt, also wenn der Händler viele der gleichen Artikel im Laden hat, kann er die Ersatzlieferung nicht als unzumutbar zurückweisen. D.h., man tauscht die kaputte gegen funktionsfähige Ware des gleichen Typs. Wenn bei deinem Wecker-Beispiel der zweite Wecker aber auch defekt ist, musst du keine zweite Nachlieferung akzeptieren. Dann wäre "Geld zurück" sicher die bessere Lösung.



Beispiel 5: Monitor flackert plötzlich!

Du hast dir einen neuen Computermonitor gekauft. Das Teil funktioniert prima, bis sieben Monate später dann alles zu flackern anfängt. Offensichtlich will der Bildschirm bald den Geist aufgeben.


Grundsätzlich stehen dir 2 Jahre ab dem Kauf die so genannten Gewährleistungsrechte zu. Das bedeutet, dass der Verkäufer für in der Zeit auftretende Mängel einstehen muss. Doch es gibt eine Grenze innerhalb der 2 Jahre: Innerhalb der ersten sechs Monate geht man davon aus, dass das Produkt von Anfang an nicht in Ordnung war. In diesem Beispiel sind die 6 Monate aber schon überschritten. Dann musst du nachweisen, dass der Computermonitor schon bei der Übergabe einen Defekt gehabt hat. Du solltest dich aber dennoch an den Händler wenden und eine Reparatur verlangen - die 2 Jahre sind ja noch nicht abgelaufen. Sollte der Händler Schwierigkeiten machen, ist es gut, wenn du belegen kannst, dass du den Monitor sachgerecht behandelt hast (z. B. mehrere Personen können bezeugen, dass das Gerät ruhig auf deinem Schreibtisch gestanden hat etc.).


Greifen die Gewährleistungsrechte, muss der Händler den Defekt zwei Jahre lang nach deiner Wahl entweder durch Reparatur beheben oder einen neuen, funktionsfähigen Bildschirm rausrücken. Klappt das mit der Reparatur nicht oder funktioniert auch der neue Monitor nicht, kannst du "vom Kaufvertrag zurücktreten". Das bedeutet, du gibst dem Verkäufer den Monitor zurück und der gibt dir dein Geld wieder. Dann kann allerdings eine "Nutzungsentschädigung" fällig werden. Und zwar für die Zeit, in der du das Gerät einwandfrei nutzen konntest. Diese "Entschädigung" berechnet sich anhand des Kaufpreises und der üblichen Nutzungszeit eines Gerätes. Diese behält der Verkäufer dann vom zurück zu erstattenden Kaufpreis ein. Oft setzen Händler die Lebensdauer jedoch zu gering an. Auch bei technischen Geräten kann man von einer durchschnittlichen Lebensdauer von 5 bis 7 Jahren ausgehen. Hat der Monitor z.B. 600 € gekostet, kann der Händler pro Monat, in dem der Monitor tatsächlich genutzt wurde, 7,14 € abziehen (600:84(7x12)=7,14). Mehr zu dem Thema findest du auch hier.



Beispiel 6: Fahrrad mit Konstruktionsfehler...

Du hast dir für dein Fahrrad eine neue Felgenbremse gekauft, die du auch nach den Anweisungen des Herstellers eingebaut hast. Bei der Probefahrt hat auch alles gut geklappt, aber am nächsten Tag gab es mit dem Fahrrad einen riesigen Crash, weil die Bremsen versagt haben. Dann allerdings wurde klar, dass das Ding gar nicht funktionieren konnte. Das war irgendwie falsch konstruiert.


Sowas hört sich ganz nach einem Fall für die Produkthaftung an. Wenn eindeutig feststeht, dass ein Produkt fehlerhaft konstruiert oder durch eine schlechte Qualitätskontrolle mangelhaft ausgeliefert wurde, muss der Hersteller für alle Folgeschäden aufkommen, die durch die Benutzung des Produkts entstanden sind. Wenn du also bei dem Unfall Dein Fahrrad oder ein anderes Fahrzeug beschädigt hast, wenn Du selbst verletzt worden bist etc., dann kannst du den Hersteller zur Kasse bitten. Der muss sogar Schmerzensgeld und ggf. eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit zahlen, wenn's wirklich dicke kommt. Dann ist aber auch ein Anwalt ratsam.


Der Verkäufer ist allerdings für die Produkthaftung nicht zuständig. Er gibt dir lediglich Dein Geld für die mangelhafte Bremse zurück... Das gleiche gilt für den Fall, dass keine Gebrauchsanweisung dabei war oder die Beschreibung fehlerhaft oder unvollständig war.



Beispiel 7: Fußballventil irgendwann undicht...

Du hast dir einen supertollen Lederfußball gekauft. Die Mannschaft hat schon drei wichtige Spiele damit gewonnen. Und nach etwa acht Monaten sowas: Das Ventil ist plötzlich irgendwie undicht! Zum Glück fällt dir ein, dass deine Mutter letztens erklärt hat, dass man zwei Jahre lang das Recht hat, ein mangelhaftes Produkt zu reklamieren. Aber im Geschäft, wo du den Ball gekauft hast, gibts Probleme. Wieso?


Das Problem: Das mit den zwei Jahren ist nur die halbe Wahrheit... In den ersten sechs Monaten hätte der Händler den Ball in der Tat anstandslos reparieren oder umtauschen müssen. Im ersten halben Jahr geht man nämlich davon aus, dass das Produkt von Anfang an nicht in Ordnung war. In den weiteren 1 1/2 Jahren, in denen der Verkäufer für den Ball Gewähr leisten muss, ist es dann dein Ding, dem Händler (z.B. durch Zeugen) zu beweisen, dass das Ventil schon von Anfang an kaputt war. Und das wird dir kaum möglich sein, wenn ihr schon viele Spiele mit dem runden Leder gewonnen habt...



Beispiel 8: Gebrauchtes Mofa...

Du hast von deinem Freund ein gebrauchtes Mofa gekauft. Erst dachtest du, das wäre echt ein Schnäppchen! Dann ist die Kiste aber schon nach ein paar Kilometern stehen geblieben. Das blöde ist, dass dein Freund darauf bestanden hat, einen schriftlichen Vertrag zu machen, wo so Sätze auftauchen wie: "unter Ausschluss jeder Gewährleistung". Kann man da jetzt noch was machen?


Eher nicht. Es sei denn, du kannst beweisen, dass dein Kumpel dir bewusst ein schrottreifes Mofa verkauft hat. Das wird aber sicher schwer, wenn es beim Verkauf noch gut gelaufen ist (eine Probefahrt hast Du ja sicher gemacht). Wenn man von privat Gebrauchtwaren kauft, kann der private Verkäufer all die schönen Gesetze, die für professionelle Händler gelten, vertraglich einschränken oder ganz ausschließen. Steht in eurem Vertrag zum Beispiel die Formulierung "gekauft wie gesehen" bedeutet das folgendes: Alles, was an Fehlern zu sehen war, kann nicht reklamiert werden, egal ob man es wirklich gesehen hat oder nicht. Es ist also ratsam, gebrauchte Sachen genau zu prüfen, bevor man sie kauft!

Etwas anders sieht es aus, wenn man bei einem Gebrauchtwarenhändler einkauft. Der kann zwar die geltenden zwei Jahre Gewährleistung im Kleingedruckten auf ein Jahr reduzieren - an das eine Jahr muss er sich aber in jedem Fall halten!



Generell gilt:

  • Kassenzettel immer aufbewahren!
  • Seine Rechte kennen!
  • Wenn’s Stress gibt: Bei der Verbraucherzentrale beraten lassen!

(Wi)

Der Text dieses Beitrags steht unter Creative-Commons-Lizenz: Was bedeutet das?

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