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Snapchat

Snaps Nutzungs­bedingungen im Check

Der Messenger Snapchat nimmt sich das Recht raus, zahlreiche Daten zu sammeln und mit deinen Inhalten zu werben – auch aus privaten Snaps!

Ein weißes Gespenst auf gelbem Grund: Logo von Snapchat. Bild: Screenshot snapchat.com
Bild: Screenshot snapchat.com

Der Messanger Snapchat punktet damit, dass Nachrichten kurz nach dem Lesen gelöscht werden. Was nach tollem Datenschutz klingt, entpuppt sich aber als Trugschluss. Denn die Snap Group Limited, die u.a. in Deutschland für Snapchat verantwortlich ist, sagt ganz offen in ihren Nutzungsbedingungen (Punkt 3, Stand: 10. Januar 2017): "Obwohl wir nicht dazu verpflichtet sind, dürfen wir jederzeit und aus beliebigem Grund auf deine Inhalte zugreifen und diese prüfen, einsehen und löschen." Die Betreiber dürfen also stets mitlesen, was du via Snapchat verschickst. Aber sie erlauben sich noch mehr:


Surfverhalten

Snap darf erfassen und speichern, mit welchen Geräten du die Dienste nutzt, wann und wie du das machst und welche Internetseiten du im Zusammenhang z.B. mit Snapchat besuchst. All das dient unter anderem dazu, herauszufinden, welche Themen dich interessieren und diese Infos für Werbung zu nutzen. In der Datenschutzerklärung (Stand: 5. Juni 2017) steht, dass Snap an seinen Produkten arbeitet, unter anderem "indem wir die Services personalisieren, indem wir u.a. Freunde und Profilinformationen vorschlagen oder die Inhalte anpassen, die dir angezeigt werden (auch Werbeanzeigen)". Und Snap weiß möglicherweise, wo du bist: "... indem wir etwa mit unseren präzisen Standortdaten (natürlich nur, wenn du zugestimmt hast, dass wir diese Daten erheben dürfen) deine Memorys taggen und andere auf dem Inhalt basierende Labels anwenden." Dafür kann der Dienst auch Infos über die Inhalte deiner Snaps sammeln. Vor allem aber können – wie bei WhatsApp – die so genannten Metadaten ausgewertet werden. Das führt uns zum nächsten Punkt.


Profilbildung

Mit wem schickst du dir die meisten Nachrichten? Zu welchen Zeiten machst du das? Machst du Screenshots von den Nachrichten? Das darf Snapchat laut Snaps Datenschutzerklärung aufzeichnen und auswerten. Wenn du Snapchat den Zugriff auf das Adressbuch deines Smartphones erlaubst, darf Snap die gespeicherten Rufnummern mit anderen gespeicherten Profilen abgleichen. Du solltest generell den Zugriff auf deine Smartphone-Kontakte sehr gut bedenken! Genaueres liest du im Artikel über den Kontakte-Zugriff von Snapchat und Facebook. Um dich noch besser kennenzulernen und z.B. Werbung noch genauer auf deine Interessen anzupassen, nutzt Snap laut Datenschutzerklärung auch z.B. "Webbeacons, Webspeicherung und einzigartige Werbe-IDs, Daten über deine Aktivität, deinen Browser und dein Gerät".


Speicherung

Alle Daten werden von Firmen in Großbritannien (Snap Group Ltd.) und den USA (Snap Inc.) erhoben und verarbeitet, erklärt Punkt 5 der Snap-Nutzungsbedingungen. In der Datenschutzerklärung heißt es außerdem: "Obwohl unsere Systeme Löschvorgänge automatisch durchführen, können wir dir nicht versprechen, dass Inhalte innerhalb eines bestimmten Zeitraums gelöscht werden." Kann also sein, dass eigentlich schon gelöschte Snaps doch noch auf irgendwelchen Servern von Snap liegen. Darüber hinaus kann jede Nachricht natürlich auch von Empfängern gespeichert werden – mithilfe anderer Apps, im Zwischenspeicher seines Geräts oder schlicht per Screenshot.


Einstellungsmöglichkeiten

Wie weit deine Inhalte verbreitet werden, kommt auf deine persönlichen Einstellungen an und darauf, welche Snap-Dienste du nutzt. "Was für das Internet im Allgemeinen gilt, gilt auch für Snapchat: Sende keine Nachrichten und teile keine Inhalte, die nicht von anderen gespeichert oder geteilt werden sollen", schreibt Snap treffend in seinen Nutzungsbedingungen. Für die App kannst du daher über dein Betriebssystem den Zugriff aufs Adressbuch und deinen Standort blockieren, wenn die dadurch eingeschränkten Funktionen für dich nicht lebensnotwendig sind.


Urheberrecht

Wer Inhalte via Snapchat versendet, erlaubt dem Dienst nicht nur, die Fotos weltweit dem jeweiligen Empfänger zur Verfügung zu stellen. Laut Nutzungsbedingungen darf die Snap Group sie außerdem für eigene Werbezwecke hosten, speichern, verwenden, anzeigen, reproduzieren, verändern, anpassen, bearbeiten, veröffentlichen, und verteilen. Das bezieht Snap ausdrücklich auf private Nachrichten, denn bei "Live Storys, Lokalen Storys und sonstigen Crowdsourcing-Services" gehen die Rechte noch weiter. Ganz klar gesagt: Snap dürfte im letzteren Falle wohl laut der eigenen Nutzungsbedingungen deine versendeten Bilder (oder solche, auf denen du zu sehen bist) auf Plakate drucken und damit Werbung für eigene Dienste machen! Also nicht nur für Snapchat, sondern auch für alles andere, was die Snap Group Ltd. auf den Markt bringt.

Abgesehen davon, dass du dafür keinen Cent bekommst, kann das unter Umständen für dich zu einem Problem werden, wenn du das Foto gar nicht selbst gemacht hast (Stichwort: Urheberrecht), wenn Leute drauf sind, die gar nicht öffentlich sichtbar sein wollen (Stichwort: Persönlichkeitsrecht) oder das Bild von Snap so verändert wird, dass du darauf richtig bescheuert aussiehst.


Nutzen oder lassen

Willst du möglichst wenig Daten von dir Preis geben, solltest du wo immer es geht die Zugriffsrechte der Apps auf deinem Smartphone so weit wie möglich beschränken. An den Nutzungsbedingungen kannst du nichts ändern. Denn die Snap Group Limited schreibt direkt zu Beginn: "Es versteht sich von selbst, dass du die Services nicht nutzen solltest, wenn du mit den Bedingungen nicht einverstanden bist."


(hamo)

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