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Abholzung der Regenwälder

Über den Urwald Indonesiens

Neulich war ich in Indonesien – dass schlechte Gewissen wegen des CO2 ist natürlich auch mitgeflogen. Den Stress des Alltags hinter mir lassend, betrat ich den Boden Sumatras... (Eine persönliche (fiktive) Geschichte von Moritz Schlegelmilch / Greenpeace!)

Waldbrände in Indonesien (© Greenpeace / Vinai Dithajohn)
Waldbrände in Indonesien (© Greenpeace / Vinai Dithajohn)

Vier Wochen Zeit hatte ich, dieses baumreiche Land kennen zu lernen. Mein hier lebender Freund Barea hat mich abgeholt. Zwei Stunden brauchten wir mit dem Auto, bis wir in seinem kleinen Dorf angekommen waren. Über schlecht befestigte Wege fuhren wir und ich hatte den Eindruck in der Wildnis zu sein, doch ein Geräusch irritierte diese Idylle: Kettensägenlärm. Barea ist eigentlich aus Peru, doch vor zwei Jahren bekam der gelernte Baumaschinenmechaniker ein Arbeitsangebot. Jetzt fällt er hier auf Sumatra Teakholz für den Export nach Europa. "Den Lärm, den du hier hörst, macht gerade eines unserer Baumfällerteams. Sie ziehen durch den Wald auf der Suche nach Teakholzbäumen, die sie an Ort und Stelle fällen. Große Maschinen ziehen dann die Stämme aus dem Wald."


In Bareas kleinem Dorf angekommen gingen wir zum Fluss und er zeigte mir, wie die Bäume in diesem Gebiet transportiert werden. Baumstamm an Baumstamm, wie ein nicht enden wollendes Floß, trieben eingeschlagene Bäume flussabwärts. "Zurzeit haben wir einen Umweltschützer im Dorf, der unsere Arbeit beobachtet und sich mit der Bevölkerung unterhält. Das könnte meinen Arbeitsplatzverlust bedeuten, denn im Westen mag man nicht, was wir hier tun. Das kann ich nachvollziehen und ich bin mir sicher, dass wir umdenken müssen. Die Bäume, die ich gerodet habe, daraus macht ihr Gartenmöbel und Papier. Dem Umweltschützer werden mehr Menschen folgen, die uns davon überzeugen wollen, nachhaltig zu wirtschaften, doch mein Arbeitgeber macht da nicht mit."


Orang-Utans auf Borneo
Orang-Utans auf Borneo (Bildrechte: Markus Mauthe / Greenpeace)

Von den Problemen hatte ich gehört: Große Mengen CO2 werden aus den austrocknenden Torfböden, auf denen vorher die Bäume standen, freigesetzt und die Lebensgrundlage vieler Tiere wird zerstört. Orang-Utan Babys werden ihren Müttern weggenommen und als Haustiere verkauft. Wenn wir bei uns Papier und Holz kaufen, welches nicht nachhaltig abgebaut wurde, kaufen wir quasi diese Probleme mit. Wir können dies verhindern, indem wir darauf achten, Recyclingpapier zu kaufen, Holz und Möbel aus heimischer, nachhaltiger Forstwirtschaft oder aber mit dem FSC-Siegel versehenes Holz zu kaufen. Barea geht dann einer ungewissen Zukunft entgegen, dies aber mit gutem Gewissen. "Es ist nicht einfach, aufgrund der eigenen Existenzsicherung die Lebensgrundlage vieler Tiere und diesen einzigartigen Wald zu zerstören."


"Lass uns ein wenig Laufen", sagt Barea. Wir gehen durch das Dorf hindurch und die Einheimischen schauen neugierig auf mich, wie ich neugierig zurückschaue. Einfache Holzhütten mit Wellblechdächern dienen den Menschen als Wohnraum, ich sehe eine Frau über einem offenen Feuer etwas braten, vielleicht ist es Ayam goreng, gebratenes Huhn, ein traditionelles Gericht Indonesiens. Hühner hatte ich im Dorf einige frei herumlaufen sehen.


Aus dem Dorf herausgekommen betreten wir gerodeten Boden. Nachdem die Edelhölzer aus dem Wald entfernt wurden, wurde das restliche Waldgebiet verbrannt. Beißender Geruch liegt in der Luft und überall sehe ich Wasserkanäle, die das Wasser aus dem Gebiet abführen. "Die lassen den Torfboden hier austrocknen, damit hier eine Palmölplantage entstehen kann", sagt Barea, "das ist zwar verboten, weil hier die Torfschichten weit über drei Meter dick sind, aber stören tut das die Betreiber nicht und kontrolliert worden sind wir bisher auch nicht."


Abholzung des Torfmoorregenwaldes in Indonesien
Abholzung des Torfmoorregenwaldes in Indonesien (© Greenpeace / John Novis)

Schmale Balken liegen über den Kanälen und wir balancieren über viele solcher provisorischen Brücken, bis wir an unserem Ziel angekommen sind: Der Wald. Nur wenige Schritte und wir befinden uns im tiefsten Regenwald. Jahrtausende ist der hier gewachsen. Urwälder sind die ältesten Wälder dieser Welt und beherbergen eine riesige Pflanzen-, Baum- und Tierwelt, soviel hatte ich in der Schule gelernt. Aber mittendrin zu stehen und diese Vielfalt wahrzunehmen, darauf hatte ich eine Ewigkeit gewartet. Wir gehen tiefer in den Wald hinein und ich schaue fasziniert einem bunten Vogel hinterher, der von einem Ast zum anderen fliegt, über dicke Lianen hinweg gleitet und im dichten Blätterwald verschwindet. Auch wenn ich keine Tiere mehr sehe, so sehe ich doch ihre Spuren und ich höre sie. Nur kurze Zeit stehen wir still im Wald und schon sind die Geräusche der Tiere zu einem

lauten Konzert angeschwollen. Es ist relativ dunkel hier, doch ein paar Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg bis zum moosbewachsenen Waldboden. "Immer wenn ich wieder in den Wald gehe", sagt Barea, "verspüre ich das Gefühl, diese Arbeit nicht mehr weiter führen zu können, um diese Vielfalt und Schönheit zu erhalten." Noch ist es dafür nicht zu spät, sag ich zu Barea, der stumm mit dem Kopf nickt.


Dies ist eine fiktive Geschichte von Moritz Schlegelmilch, beruhend auf wahren Fakten; Sie wurde uns von Greenpeace Frankfurt zur Verfügung gestellt. Die Bildrechte liegen bei Greenpeace; Kommentare und Anregungen: info@greenpeace-frankfurt.de.



(Wi)

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1 Kommentar(e)

  • Eber,Matthias
     

    Abholzung, Zerstörung der Umwelt

    Fast alle Information über die Zerstörung des Urwalds in Borneo im Netz ist 2, 5, oder 10 Jahre alt... der Wald ist immer weiter zerstört worden.
    Ich verstehe es nicht. Werde es wahrscheinlich nie verstehen. Wie man so ein tolles Land plattmachen kann. Und Keiner tut etwas, das die Natur retten wird.
    So wird diese tolle Insel in 10 oder 12 Jahren aussehen wie China oder Korea. Ein paar kleine Reservate werden übrigbleiben. Und das wars!
    Und in 50 Jahren wird die ganze Welt frei von größeren Naturlandschaften sein und das Klima, damit das Leben wird größtenteils zerstört sein.
    In ca. 100 Jahren können wir stolz sagen: Erde ade!

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  • Umweltschutz

    Ein Wald (Bild: Rainforests of the Olympic Coast (http://www.flickr.com/photos/hiimniko/2963767326/) von hiimniko (http://www.flickr.com/photos/hiimniko/) unter CC-BY-Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de)

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