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Schnitzel – von der Pflanze

Vegetarisches Fleisch: Alles Käse?

Vegetarierinnen und Vegetarier essen kein Fleisch – aber manchmal braten sie sich ein Schnitzel oder basteln sich einen Burger. Doch das "fleischlose Fleisch" ist umstritten.

Vegetarischer Burger auf einem Holzbrett, davor ein grünes Herz mit der Aufschrift: "Veggie". Bild: PhotoSG / Fotolia.com
Bild: PhotoSG / Fotolia.com

Eigentlich ist das doch Käse oder? Entweder ich esse Fleisch – oder ich verzichte auf Tierisches, und dann brauche ich auch kein Schnitzel.

Zu kurz gedacht! Wie Umfragen der Verbraucherzentrale zeigen, mögen viele Vegetarierinnen und Veganer den Geschmack von Fleisch oder Wurst. Und die Mehrheit findet es gut, wenn sie direkt auf dem Produkt lesen kann, dass es zum Beispiel nach Mortadella oder eben nach Schnitzel schmeckt.

Kennzeichnung erforderlich

Die Bezeichnung "Vegetarische Frikadelle" weckt sofort Assoziationen, die bei "Körner-Rundling" vielleicht nicht so schnell aktiviert würden. Nur 38 Prozent so hat eine Befragung des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) 2015 ergeben, wünschen sich andere Bezeichnungen, die keinen Bezug zu den tierischen bzw. fleischhaltigen Produkten haben. Mehr als 50 Prozent der Befragten halten es für sinnvoll, dass der Produktname durch die Angabe der Geschmacksrichtung, z.B. "Veggie-Aufstrich nach Art Leberwurst", ergänzt wird.

Dennoch braucht es Regeln für die Kennzeichnung von vegetarischen und veganen Lebensmitteln. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat Ende 2016 gesagt, dass er Bezeichnungen wie "vegetarische Currywurst" oder "vegane Fleischwurst" nicht mehr lesen möchte. Er ist der Meinung, dass diese Begriffe Verbraucherinnen und Verbraucher in die Irre führen können.

Verwechslungsgefahr gering

Die Käuferinnen und Käufer selbst sehen das jedoch ganz anders. Sie stehen weniger auf Bezeichnungen wie "Veggie-Bratling", sondern wünschen sich weiterhin die "Pflanzliche Frikadelle". Verwechslungsgefahr: gering. Denn laut der vzbv-Umfrage hat sich kaum jemand versehentlich ein vegetarisches Schnitzel in den Einkaufskorb gelegt und ein Schnitzel vom Schwein erwartet. Nur vier Prozent der Befragten haben sich schon einmal vergriffen und zum Beispiel Veggie-Mortadella anstelle von Schweinemortadella auf dem Teller gehabt. Richtig getäuscht fühlt sich jedoch kaum jemand.

Dennoch ist es wichtig, dass Produktbezeichnungen eindeutig sind. Kundinnen und Kunden mögen es, auf einen Blick zu erkennen, wo sie später reinbeißen: Beispielsweise verrät "Veggie-Burger aus Soja" sofort alles, was wichtig ist – nämlich die Geschmacksrichtung und die Hauptzutat.

Zutaten erkennbar

Auch rechtlich ist es genau geregelt, was auf den Verpackungen stehen muss. Hier unterscheidet man Produktnamen oder von den Herstellern entworfene Fantasiebegriffe, die man in der Regel vorne auf der Packung findet, und die "offizielle" Bezeichnung, die zumeist auf der Rückseite steht. Wenn es nun um nachgemachte Produkte geht – wie eben ein Pseudo-Schnitzel aus Grünkern – dann muss die Ersatzzutat in der Nähe des Produktnamens stehen. Beispiel: "Veggie-Schnitzel aus Grünkern".

Besonders heikel wird es bei Käse. Denn der Begriff Käse darf letztlich nur verwendet werden, wenn es sich tatsächlich um echten Käse handelt. Vegetarischen oder veganen Käse gibt es somit nicht, da Käse zwingend Milch (vom Tier) enthalten muss. Hersteller, die beispielsweise "veganen Frischkäse" verkaufen, müssen sich auf Abmahnungen einstellen.


(AB)

Der Text dieses Beitrags steht unter Creative-Commons-Lizenz: Was bedeutet das?

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2 Kommentar(e)

  • Conny Boxberg
     

    Irreführung passiert andersrum

    Hallo,
    ich glaube auch, dass Fleischesser selten aus Versehen "Ersatzprodukte" kaufen. Allerdings gibt es mittlerweile folgendes Phänomen. Sowohl Lidl als auch Aldi verkaufen Gemüsefrikadellen (mit Geflügelfleisch). Das finde ich sehr irreführend und davor würde ich gerne geschützt werden. Und ich frage mich, was für Fleisch muss das sein, welches einen so untergejubelt werden muss.
    Viele Grüße
    Conny Boxberg

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  • checked4you
     

    Re: Irreführung passiert andersrum

    Hallo Conny,
    danke für das Beispiel! Das interessiert die Ernährungs-Experten der Verbraucherzentrale NRW. Um aber etwas dazu sagen zu können, bräuchten sie weitere Angaben, z.B. Fotos der Packungen. Wenn du magst, kannst du gerne welche per E-Mail schicken an kontakt@verbraucherzentrale.nrw.
    Generell sollte im Idealfall schon auf der Vorderseite der Packung deutlich werden, um welches Produkt bzw. welche Hauptzutaten es sich handelt. Ein Beispielfall findet man dazu bei Lebensmittelklarheit.de:

    http://www.lebensmittelklarheit.de/produkte/bernhard-matthews-gemuesefrikadellen-mit-gefluegelfleisch

    Ob die Gemüsefrikadellen von Aldi und Lidl jedoch ähnlich (bzw. mit möglichen Täuschungspotenzial) wie das Produkt auf Lebensmittelklarheit.de aufgemacht sind, können wir ohne Produktbild nicht beurteilen.
    Viele Grüße
    Dein checked4you-Team

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