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Neue Nutzungsbedingungen

WhatsApp will Daten an Facebook geben: So what?!

Was geht da eigentlich ab bei WhatsApp? Warum machen alle so ein Drama drum? Hier sind Antworten.

Die Logos von Facebook und WhatsApp nebeneinander auf einem Smartphone. Bild: checked4you.de
Bild: checked4you.deFacebook wertet aus, was Nutzer auf WhatsApp machen.

Update 25.04.2017

Das Verwaltungsgericht Hamburg hat entschieden, dass Facebook vorerst keine Daten deutscher WhatsApp-Nutzer verwenden darf. Mehr dazu auf der Internetseite der Verbraucherzentrale NRW.

WhatsApp hat am 25. August 2016 seine Nutzungsbedingungen und Datenschutzerklärung geändert. Die informieren den Nutzer nun darüber, dass die App Telefonnummern, Adressbucheinträge und andere Infos an alle Unternehmen, die zu Facebook gehören, senden will. Das sind unter anderem Instagram und Oculus, aber auch eine Reihe weiterer Firmen. Seit 2014 gehört auch WhatsApp zu Facebook. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat das Messenger-Unternehmen deshalb verklagt.

Und nun? Wir sagen es vorweg: Wenn Daten von dir nicht an Facebook-Unternehmen weitergegeben werden sollen, kannst du WhatsApp gar nicht mehr nutzen und du solltest dein Profil löschen. Aber auch wir wissen, dass das schwierig wird, weil inzwischen fast jeder über den Messenger kommuniziert, obwohl es sicherere Alternativen gibt. Einige davon – nämlich Threema, Hoccer, SIMSme, Telegram, Signal und Wire – hat sich die Verbraucherzentrale NRW in Bezug auf Stärken und Schwächen im Datenschutz angesehen.

Weil nun über WhatsApp in den Medien viel berichtet wird und hier und da auch Gerüchte verbreitet werden, geben wir dir Antworten auf häufige Fragen.



Was will WhatsApp an die anderen Facebook-Unternehmen übertragen?

In einem FAQ-Eintrag heißt es: "Einige deiner Account-Informationen, wie die Telefonnummer, mit der du dich verifiziert hast, als du dich bei WhatsApp registriert hast und die Zeit, wann du das letzte Mal unsere Dienste verwendet hast." Das sind aber nur Beispiele. Theoretisch kann WhatsApp alle gesammelten Infos auch an Facebook und die anderen Firmen des Konzerns gehen. WhatsApp speichert laut Nutzungsbedingungen und Datenschutzerklärung unter anderem deine Handynummer, ein eventuell genutztes Profilbild, deinen Profilnamen und einen eventuell eingegebenen Status. Außerdem werden alle Einträge im Adressbuch deines Smartphones regelmäßig an WhatsApp gesendet – und damit nun wahrscheinlich auch an Facebook. Das finden wir besonders heftig: Die Handynummer von Chefs oder Lehrern, Eltern, Freunden, Ärzten oder wen auch immer du sonst noch so in deinem Phone gespeichert hast, gehen an WhatsApp, Facebook und Co., ohne dass die betroffenen Personen das je erlaubt hätten.

Weitere wichtige Daten für WhatsApp und Facebook sind die so genannten Metadaten: Mit wem schreibst du dir wann und wie oft, welche Leute sind mit dir in welchen WhatsApp-Gruppen, mit welchen Geräten nutzt du die App, wo nutzt du die App (sofern du ihr Zugriff auf den Standort gewährst)?


Ich entziehe WhatsApp einfach die Berechtigung, auf meine Kontakte zuzugreifen. Bringt das was?

Bei iOS, Windows und Android ab Version 6.0 (Marshmallow) kannst du Berechtigungen für Apps sperren. Lässt du WhatsApp nicht mehr auf deine Kontakte zugreifen, hat das folgenden Effekt: du siehst nicht mehr unbedingt, wer dir schreibt, denn es werden nur noch die Nummern der Absender angezeigt. Falls sie ihre Namen oder Pseudonyme bei WhatsApp angegeben haben, siehst du die. Falls nicht, kann es zum Rätselraten werden, mit wem du gerade chattest. Außerdem bleibt trotzdem das Problem, dass WhatsApp analysieren kann, mit welchen Nutzern du wann und wie oft etc. schreibst. Außerdem könntest du damit gegen WhatsApps Nutzungsbedingungen verstoßen, in denen es heißt: "Du stellst uns regelmäßig die Telefonnummern von WhatsApp-Nutzern und deinen sonstigen Kontakten in deinem Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung." Wenn du die Daten deiner Kontakte schützen willst, dann lösche lieber deinen WhatsApp-Account und wechsle den Messenger.


Werden meine Nachrichteninhalte übertragen?

Laut WhatsApp nicht. Die Inhalte würden verschlüsselt übertragen, sofern alle Chat-Teilnehmer eine App-Version nutzen, die nach dem 2. April 2016 veröffentlicht wurde.


Können andere auf Facebook oder Instagram lesen, was ich auf WhatsApp schreibe?

Nein. Diese Dienste können laut Aussage von WhatsApp nicht auf die Inhalte deiner Nachrichten zugreifen, weil sie verschlüsselt sind.

Was könnte Facebook mit den WhatsApp-Daten machen?

Als offizielle Gründe gibt WhatsApp an, dass unter anderem Spam und Missbrauch verhindert werden sollen, die Infrastruktur und Zustellsysteme verbessert und sicherer gemacht werden sollen und man die Art der Nutzung der Dienste verstehen wolle. Gerade der letzte Punkt ist wohl am wichtigsten, denn er ermöglicht, dass Facebook oder Instagram dir aufgrund deiner Aktivitäten bei WhatsApp neue "Freunde, Verbindungen oder interessante Inhalte" vorschlagen können und "um relevante Angebote und Werbeanzeigen zu zeigen". Wenn du also Firmen in deinem Adressbuch gespeichert hast, könntest du auf Facebook von denen Werbeanzeigen sehen, statt von anderen Unternehmen, die möglicherweise bessere Angebote haben. Das ist so, als würde plötzlich jemand die Post in deinem Briefkasten durchwühlen, um zu gucken, von wem du Briefe bekommst und anhand dieser Infos entsprechende Werbeprospekte mit einzuwerfen.

Okay, das macht Facebook schon lange so. Mit WhatsApp kommt nun aber eine weitere Quelle hinzu. Vor allem sind dadurch auch Menschen betroffen, die bislang keine Daten an Facebook gegeben haben.


Ich konnte doch den neuen AGB mit einem Haken widersprechen. Wozu die Aufregung?

Falsch! Anders als von vielen behauptet, konntest du nie der Datenübertragung von WhatsApp an Facebook widersprechen, sondern höchstens dem Umstand, dass Facebook die erhaltenen Daten für Werbung nutzen darf. Und das auch nur, wenn du WhatsApp schon vor dem 25. August 2016 genutzt hast. Wer sich nach diesem Datum erst angemeldet hat, bekam keine Möglichkeit mehr, die neuen Nutzungsbedingungen und die Datennutzung zu Werbezwecken abzulehnen. Unter der Anleitung, wie man der Nutzung zu Werbezwecken widerspricht, schreibt WhatsApp, dass Facebook und die anderen Unternehmen der Gruppe die Daten trotzdem für andere Zwecke bekommen.


Was meint WhatsApp mit "Nutzung zu Werbezwecken"?

Konkret kann das bedeuten, dass du auf Facebook gezielt Werbeanzeigen von Firmen erhältst, die du in deinen WhatsApp-Kontakten gespeichert hast. WhatsApp selbst kündigt auch die Möglichkeit an, dass Nutzer von solchen Firmen künftig WhatsApp-Nachrichten erhalten könnten.


Ich will meinen Account jetzt löschen. Wie geht das?

Das zeigt unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung für Android, iOS und Windows:



Ich habe nicht zugestimmt und komme jetzt nicht mehr in die App, um meinen Account zu löschen. Was nun?

Den eigenen WhatsApp-Account kann man nur in der App löschen. Dorthin ist der Weg nun dicht, wenn du den neuen AGB nicht zustimmen willst. Nach Ansicht der Verbraucherzentralen muss WhatsApp unbedingt einen anderen Weg schaffen und auch in dieser Situation auf Wunsch der User das Profil löschen. Wer nur WhatsApp deinstalliert, statt seinen Account vollständig zu löschen, bliebt weiterhin Nutzer mit seinen Daten und denen seiner Kontakte.


Ist das alles zulässig, was WhatsApp und Facebook da machen?

Auf keinen Fall, meinen Verbraucher- und Datenschützer. Deshalb hat der Verbraucherzentrale Bundesverband den Messenger-Anbieter bereits abgemahnt und im Januar 2017 verklagt. Hamburgs Datenschützer Johannes Caspar hat per Anordnung untersagt, dass Facebook die Daten von WhatsApp-Nutzern verarbeiten darf. Bereits übermittelte Daten sollen gelöscht werden. Facebook ist gegen die Anordnung vorgegangen und hat teilweise verloren. Wahrscheinlich dauert es aber noch ein paar Jahre, bis Gerichte ein endgültiges Urteil fällen.


(hamo)

Der Text dieses Beitrags steht unter Creative-Commons-Lizenz: Was bedeutet das?

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2 Kommentar(e)

  • detlef
     

    rechtliche konsequenzen ?

    neue Nutzungs- und Datenschutzbedingungen besagen:

    "Du bestätigst, dass du autorisiert bist, uns solche Telefonnummern zur Verfügung zu stellen, damit wir unsere Dienste anbieten können." Im Klartext: Der Nutzer ist verantwortlich, daß er alle seine gespeicherten Kontakte anschreibt und sich eine Eiverständnisserklärung einholt, daß deren Daten an die WhatsApp-Server übertragen werden und für Werbung freigegeben sind. Bin mal gespannt wann sich die ersten Nutzer gegenseitig verklagen, denn die Mühe wird sich wohl keiner machen. Ich werde ab sofort nur noch Threema verwenden.

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  • Klaus Oster
     

    Datenschutzist

    Ist mir scheissegal,wir sind ja sowieso gläsern wie nie zuvor, (abhörsysteme,Datenaustausch unter den Behörden,Hackerbanden<(tricksen machtlose Behörden aus) etc.Was ich tue und lasse kann jeder Arsch mitkriegen.Tun Sie ja schon seit langem.Grüsse an die ehemaligen Stasis,den BND und alle sonstigen Vereine.

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