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YouNow: Harmloser Livestream?

Vom Schulhof in die Welt: Ein Livestream über YouNow ist kinderleicht – und gefährlich, wenn man unachtsam ist.

Eine Frau positioniert eine Webcam auf ihrem PC-Monitor. Bild: Dan Race / Fotolia.com
Bild: Dan Race / Fotolia.com

Eine Cam und eine Internet-Verbindung reichen: Die Selbstinszenierung über YouNow kann beginnen. Wie bei einem Videochat über Skype oder Facetime kannst du live losquatschen, über alles, was du schon immer sagen wolltest. Aber genau das solltest du nicht tun! Denn du weißt nicht, wer dir zusieht. Anders als bei Skype oder vergleichbaren Videochat-Messengern können dich während deines Streams viele unbekannte Menschen sehen. YouNow zielt genau darauf ab: dass seine Nutzer möglichst viele Likes sammeln und möglichst viele Fans haben, um zur "trending person" zu werden. Um das zu schaffen, gehen einige unglaublich weit: Sie erzählen und zeigen zum Beispiel die intimsten Details von sich.


Jeder kann zusehen

Wer nicht selbst senden will, kann die Streams aus aller Welt ohne Anmeldung sehen. Per Hashtag werden sie sortiert. Bei #deutsch-girl oder #deutsch-boy kann es auch Triebtätern leicht fallen, mögliche neue Opfer zu finden.

Unterhaltungen laufen über ein Chatfenster neben dem Videostream. Dazu muss man dann eingeloggt sein. Doch auch hinter so einem Login muss nicht die Person stecken, die das Profil vermuten lässt. Wichtig deshalb: Nicht alle Fragen beantworten und nicht alles machen, zu was man aufgefordert wird. Denn das Senden findet live statt – was einmal gesagt oder getan ist, ist in der Welt. Du kannst dein Video nicht schneiden und noch mal prüfen, was wirklich in die Öffentlichkeit soll. Also lieber auch mal Fragen ignorieren. Dann gibt's halt ein paar Likes weniger – na und?!


Persönliche Daten aus anderen Netzwerken

Wer sich bei YouNow anmelden will, kann keinen eigenen Account anlegen, sondern macht das über Facebook, Twitter, Google+ oder Instagram. Damit kann YouNow zumindest in Teilen Zugriff auf die Daten der anderen Netzwerke erhalten. Bei Facebook zum Beispiel sind das die öffentlichen Infos deines Profils. Das sind auf jeden Fall dein Name und dein Profilbild. Auch dein Alter, dein Geschlecht und weitere Dinge, die du von dir auf Facebook öffentlich gemacht hast, gehören dazu – je nach Privatsphäre-Einstellungen. Den Zugriff auf deine E-Mail-Adresse und deine Freundeliste könntest du sperren. Spätestens bei der Freundeliste wird es datenschutzrechtlich auch kritisch: Denn deine Freunde müssen alle damit einverstanden sein, woanders als bei Facebook aufzutauchen. Das verlangt das deutsche Datenschutzrecht – und der Anstand eigentlich auch.


Persönlichkeitsrechte anderer in Gefahr

Probleme mit diesem Datenschutz gibt es auch an anderer Stelle: Wenn du zum Beispiel irgendwo im Bus oder auf dem Schulhof bist und etwas streamst. Kamera und Mikrofon nehmen auch auf, was um dich herum passiert. Und es ist grundsätzlich verboten, Menschen zu zeigen oder ihre Aussagen zu senden, wenn sie vorher nicht zugestimmt haben. Recht am eigenen Bild nennt sich das. Heißt also praktisch: Du müsstest bei einem Stream aus einem Bus heraus im Zweifel jeden einzelnen Busfahrgast und den Busfahrer fragen, ob das okay ist, dass sie vielleicht im Internet auftauchen.


(hamo)

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