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Heavy Metal im Mund?

Brauche ich eine Zahnspange?

Ein tadelloses Gebiss wie ein Filmstar wird den wenigsten Menschen von der Natur geschenkt. Meistens tanzt mindestens ein Zahn aus der Reihe. Häufig wird dann ein Termin beim Kieferorthopäden empfohlen.

Mund mit Zahnspange (Bild: draw05 / fotolia.com)
Bild: draw05 / fotolia.com

In erster Linie bekommt man eine Zahnspange aus medizinischen Gründen, um Fehlstellungen der Zähne zu regulieren. Wenn ihr nicht privat, sondern gesetzlich versichert seid, bezahlt die Krankenkasse eine Behandlung mit Zahnspangen bis zum 18. Lebensjahr ab einem gewissen Schweregrad, und zwar komplett. Welcher Schweregrad vorliegt, misst der Kieferorthopäde. Die mögliche Fehlstellung wird dann in „Kieferorthopädische Indikationsgruppen“ einsortiert, kurz „KIG“. Erst bei KIG 3, 4 und 5 zahlt die Kasse. Sollen leichtere Fehlstellungen behoben werden (KIG 1 und 2), müssen die Eltern das selbst bezahlen.

Wie medizinisch notwendig Zahnspangen sind, wird seit Jahren diskutiert. Zwar weisen Kieferorthopäden häufig darauf hin, dass Zahn- und Kieferfehlstellungen die Mundgesundheit und die Funktionsfähigkeit des Gebisses gefährden. Bisher gibt es aber keine verlässlichen wissenschaftlichen Belege, dass Zahnspangen zu gesünderen Zähnen führen und zu weniger Karies oder Parodontitis. Und ob die Zähne länger halten, weiß man auch nicht.


Allerdings ist vielen das Aussehen oft wichtiger als die Funktion des Kauorgans. Viele Eltern hatten nie die Möglichkeit, ihre schiefen Zähne richten zu lassen. Deshalb wollen sie jetzt bei ihren Kinder alles tun, damit die ein strahlendes Gebiss bekommen. Denn: Ein makelloser Körper ist heute für viele die Eintrittskarte in ein erfolgreiches Leben. Aber nicht nur die Eltern sind die treibende Kraft, auch für viele Jugendliche ist die Verdrahtung der Beißerchen fast schon Kult. Es soll vorkommen, dass manche regelrecht um eine Zahnspange betteln, das Ding nach drei Wochen dann aber doch lieber wieder los wären. Hier bekommt ihr eine Idee, was euch bei so einer Behandlung erwartet:


Wann geht's los und wie viel Zeit geht dafür drauf?

Oft fällt der Startschuss für eine Zahnklammer schon in der Grundschule. Aber Frühbehandlungen sind nur in Ausnahmefällen vorgesehen. Falls eine Zahnspange nötig ist, soll erst mit der Behandlung begonnen werden, wenn die letzten Milchzähne ausfallen, also nicht vor dem 10. bis 13. Lebensjahr. Entscheidender als das Alter ist aber die individuelle Zahnentwicklung. Der Zahnarzt schickt einen zum Kieferorthopäden - oder man geht direkt dort hin. Der Kieferorthopäde macht dann Abdrücke der unteren und oberen Zähne, erstellt Röntgenbilder und bespricht mit euch und euren Eltern die richtige Art und Form der Spange. Ist die Klammer dann angepasst, müsst ihr damit rechnen, in den kommenden zwei bis drei Jahren ein Mal pro Monat zum Zahnspangendoktor zu gehen, damit der richtige Sitz kontrolliert wird oder die Drähte nachgespannt oder ausgetauscht werden. Manchmal reicht auch alle acht Wochen. Das Nachgucken geht in der Regel flott.


Welche Formen von Zahnspangen gibt es?

Es gibt herausnehmbare (also lose) Spangen, feste und fast unsichtbare.

Lose Klammern bestehen aus einer Kunststoffbasis und Drähten. Sie haben den Vorteil, dass sie besser zu reinigen sind als die festen, und dass man sie bei wichtigen Anlässen schon mal rausnehmen kann (z.B. für Bewerbungsfotos oder beim Sportunterricht). Nachteile sind, dass die Behandlung meistens länger dauert, dass die Spange durch ihre dickere Form die Aussprache behindern kann und natürlich, dass man das gute Stück verlieren oder beschädigen kann, wenn man es aus dem Mund nimmt. Lose Spangen sind medizinisch gesehen eher etwas für Kinder mit Kieferproblemen oder kleineren Zahnfehlstellungen. Je älter man ist, desto eher ist eine feste Klammer erforderlich. Eine nette Kleinigkeit spricht noch für die "Losen": Oft kann man sich eine Farbe aussuchen - shocking pink oder die Farben von Borussia Dortmund, alles kein Problem. Einige Kieferorthopäden verlangen für die Farbwahl Extra-Gebühren. Da sollte man nicht zu viel Geld bezahlen, die Farbe ist nämlich kein erheblicher Mehraufwand bei der Herstellung der Spange!

Festsitzende Zahnspangen wirken besser und schneller als lose und sie stören kaum beim Sprechen. Dafür bleibt allerdings an den Drähten das Essen hängen, was ein echtes Problem ist. Man muss wirklich gut darauf achten, dass man Zähne und Spange genau nach Anweisung und regelmäßig putzt, sonst frisst Karies die Zähne an und all die Mühe war vergeblich! Feste Klammern (sogenannte Brackets) sind Drahtkonstruktionen, die auf die Zähne geklebt werden. Das Ganze setzt die Zähne mit Hilfe von Zugfedern, elastischen Gummibändern etc. etwas unter Druck, so dass die Beißer im Zeitlupentempo in die richtige Stellung geschoben werden. Brackets gibt es auch aus unauffälliger Keramik oder sie werden an die Innenseite der Zähne geklebt. Dann ist die Klammer total unsichtbar. Diese Methode verursacht allerdings sichtbare Mehrkosten, die keine Krankenkasse übernimmt.

Die unsichtbare Zahnspange ist eine feste Zahnschiene aus durchsichtigem Kunststoff, die man einfach auf die Zähne setzt (und auch stundenweise abnehmen kann). Diese Schienen werden für jeden Patienten individuell per Computer hergestellt. Man bekommt alle zwei Wochen eine neue und muss das gute Teil täglich 22 Stunden lang tragen. Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt die unsichtbare Spange nicht, diesen Luxus gibt es nur auf Privatrechnung.


Wer bezahlt die Zahnregulierung?

Ab einem bestimmten Schweregrad übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten. Weil das mit den Zahnklammern nur klappt, wenn man sie auch regelmäßig trägt bzw. bei festen Spangen die Zähne sorgfältig reinigt, hat sich die Krankenkasse einen guten Trick ausgedacht: Es werden erst einmal nur 80 Prozent der Kosten übernommen, 20 Prozent müssen die Eltern selbst bezahlen (beim zweiten Kind, das gleichzeitig behandelt wird, 10 Prozent). Hat der Patient gut mitgearbeitet und ist die Behandlung erfolgreich, bekommen die Eltern die vorgestreckten 20 Prozent von der Krankenkasse wieder zurück. Ob die Zahnregulierung ein Erfolg war, beurteilt der Arzt. Er kann die Behandlung auch abbrechen, wenn ihr eure lose Spange nicht tragt, wenn an den Brackets Karies droht oder wenn ihr nicht zu den Kontrollterminen erscheint. Das nennt man dann mangelnde Mitarbeit. In so einem Fall ist der Ärger mit Mom und Dad hundertprozentig vorprogrammiert, weil eure Eltern das bisher bezahlte Geld nicht wieder zurück bekommen ... Wer schon 18 ist, bekommt eine Zahnspange nur in sehr schweren Fällen von der Kasse bezahlt.


Verloren oder kaputt

Was ist, wenn ich die lose Klammer verliere oder aus Versehen kaputt mache? Das ist natürlich Mist, aber passiert das nur einmal, kriegt man eine Neue und muss die auch nicht selbst bezahlen. Die Krankenkasse drückt in der Regel ein Auge zu. Wenn das aber mehrmals vorkommt, wird das nicht mehr so locker gesehen. Es ist also besser, auf das gute Stück aufzupassen. Hier ein Tipp vom Profi: Viele Klammern gehen im Urlaub verloren, weil sie beim Essen im Restaurant in eine Serviette gewickelt und neben den Teller gelegt werden. Der Kellner räumt die Klammer dann einfach mit weg und alles landet in der großen Mülltonne. Ein besserer Platz für die Zahnspange ist in jedem Fall eine feste Box, die man in die Tasche stecken kann und die auch zu Hause ihren festen Platz hat. Und weil man auch die Box verlieren kann: Name und Adresse reinschreiben!


(Wi)

Der Text dieses Beitrags steht unter Creative-Commons-Lizenz: Was bedeutet das?

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2 Kommentar(e)

  • Luise
     

    Zahnspange

    Ich habe eine Frage. Ich habe andere Erwachsene wie ich gesehen, die fast Fünfzig oder so sind, die auch Zahnspange haben! Habe Ich richtig gesehen oder, kann Erwachsene auch Zahnspange brauchen?

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  • checked4you
     

    Re: Zahnspange

    Hallo, das können wir nicht beurteilen, hierzu bitte einfach mal an den eigenen Zahnarzt oder Kieferorthopäden wenden!

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