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"Smishing"

Abzocke per SMS

"Ihr Paket wurde bei der Abholstelle abgegeben. Sie können Ihr Paket hier abholen". Schon mal so eine SMS bekommen? Oder eine Nachricht von der "Voicemail"? Achtung, Betrug!

Schreiender Mann mit Handy (Bild: Sergey Nivens / fotolia.com)
Bild: Sergey Nivens / fotolia.com

Das Wichtigste in Kürze

  • Schon bevor es Smartphones gab, bekamen Handybesitzer SMS, die zum Anruf teurer Nummern verführen sollten.
  • Heute versuchen Kriminelle per SMS, dich zum Installieren gefährlicher Apps zu bewegen.
  • Besonders oft geht es dabei um angebliche Paketzustellungen, neue Sprachnachrichten oder Online-Banking.

Eine SMS von einem unbekannten Absender informiert über irgendwas im Zusammenhang mit einem Paket oder dem Bankkonto. Damit du die Info lesen kannst, sollst du aber einen Link antippen und eine neue App installieren. Lass es! Das gilt auch, wenn es in einer SMS heißt, dass du angeblich eine neue Sprachnachricht hättest.


Denn Ziel solcher SMS ist es, dass du auf deinem Smartphone schädliche Apps installierst. Viele davon lesen die gespeicherten Kontakte aus und verschicken dann z.B. neue SMS an alle, damit auch sie möglichst die schädliche App installieren. Und mit den geklauten Kontaktdaten können Kriminelle noch eine Menge mehr anstellen. Einige solcher Apps verschicken auch Tausende SMS auf deine Kosten, ohne dass du es merkst – bis dein Guthaben leer ist, die dicke Rechnung kommt oder dein Provider deine Nummer sperrt.


Der Fachbegriff dafür heißt übrigens "Smishing" – zusammengesetzt aus SMS und Phishing.


Oder: Auf deinem Display wirst du per SMS informiert, dass du was gewonnen hättest und wirst aufgefordert, per SMS zurück zu schreiben oder einen Link anzutippen. Kannst dich zwar gar nicht erinnern, an irgendwas teilgenommen zu haben, aber gut. Hier kommt erst später die Erkenntnis, dass eine SMS an die Nummer mal eben 1,99 Euro kostet – oder mehr, denn in der Regel sind nach oben keine Grenzen gesetzt. Zumindest vor dieser Abzocke kann dich eine Drittanbietersperre bewahren. Frag am besten bei deinem Mobilfunker danach oder guck online in deinem Kundencenter, ob du sie dort einrichten kannst.


Woher die deinen Namen und deine Nummer haben? Tja, vermutlich hast du mal im Internet was bestellt und dabei deine Handy-Nummer und den Namen angegeben. Oder eine kostenlose SMS übers Internet verschickt und dabei ein paar persönliche Daten angegeben. Oder an einem Gewinnspiel teilgenommen? Oder einer deiner Freunde, bei dem deine Nummer im Telefonbuch gespeichert ist, ist auf eine App reingefallen, wie wir sie am Anfang des Textes beschreiben. Wenn du mehr über den Zugriff von Apps auf Bereiche deines Phones wissen willst, lies unseren Artikel über App-Berechtigungen.


Daher gilt in der Praxis:

  • Irgendwelche SMS mit 0900er-Nummern oder auch fünfstelligen Premium-SMS nicht beantworten und direkt wieder löschen. Beide Varianten können nämlich im Grunde wer weiß was kosten, mit den üblichen SMS- oder Telefontarifen hat das nichts mehr zu tun!
  • Gewinnversprechen auf dem Handy am besten ignorieren – auch wenn sie über WhatsApp von Freunden kommen.
  • Seine Handynummer möglichst nur an Vertrauenspersonen weitergeben. Und nicht in öffentliche Telefonverzeichnisse eintragen lassen.
  • Wenn du mit solchen SMS total zugeballert wirst, lohnt sich vielleicht ein Wechsel der Rufnummer. Ist aber nicht umsonst: Dein Provider kann dir sagen, was das kostet (zwischen etwa 5 und 15 Euro).
  • Bei Internetangeboten welcher Art auch immer: Erstmal schauen, was in den "AGB" (Allgemeine Geschäftsbedingungen) und in der Datenschutzerklärung steht. Formulierungen wie "...erklärt sich einverstanden, dass die Daten an Dritte weitergegeben werden..." führen leicht zu solchem Werbe-Gesimse. Und wenn du keine AGB und keine Datenschutzerklärung findest: Sowieso Finger weg!
  • Man kann sich auch in eine "Robinson-Liste" eintragen, womit man erklärt, keine Werbung bekommen zu wollen. Allerdings halten sich da nicht alle Anbieter dran, eine Garantie ist das also nicht.
  • Bei Verdacht auf Rufnummernmissbrauch kann man sich bei der Bundesnetzagentur beschweren!
  • Es sind nicht immer nur SMS: Es gibt auch so genannte Ping-Calls. Das bedeutet: Nur ganz kurz klingeln lassen, damit ein verpasster Anruf im Display erscheint. Ein Rückruf kann aber teuer werden!
  • Die Nummern können "getarnt" sein, z.B. durch die Ländervorwahl (dadurch fällt die Null weg!) und ein Trennzeichen mittendrin. Das sieht dann so aus:
    (=0049 f. Deutschland + (0)900!!!)
  • Außerdem ähneln einige Auslandsvorwahlen auch deutschen Ortsvorwahlen. So ähnelt z.B. die Vorwahl von Liberia (00231) der Vorwahl von Dortmund (0231), die Vorwahl von Madagaskar (00261) der Vorwahl von Koblenz (0261) oder auch die Vorwahl von Serbien (00381) der Vorwahl von Rostock. Im Zweifel sollte man sich bei unbekannten Nummern daher genau informieren.
  • Wenn ein "+" vor der Nummer steht, ist auch Vorsicht angesagt: Das steht für "00" und ist somit auch der Beginn einer Vorwahl ins Ausland! Beispiel oben: +49900...
  • Keinesfalls solltest du eine Nummer anrufen, wenn sie mit einem Stern (*) beginnt. Damit könntest du zum Beispiel eine Rufumleitung aktivieren, sodass künftig alle Anrufe an dich zu fremden umgeleitet werden. Mit diesem Trick versuchen Betrüger unter anderem, WhatsApp-Accounts zu kapern.

(Wi/hamo)

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