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Bezahlen

Bargeld abschaffen?

Ein Leben ohne Scheine und Münzen ist möglich. Doch gut fänden wir das nicht.

Geldscheine (50, 20 und 10 Euro) und diverse Euro-Münzen liegen auf einem Tisch. Foto: Checked4you
Foto: Checked4you

Das Wichtigste in Kürze

  • Brauchen wir noch Bargeld? Die Frage stellt sich an fast jeder Supermarktkasse, wenn man auch mit Karte oder Smartphone bezahlen kann.
  • Es gibt Argumente für und gegen die Abschaffung von Münzen und Scheinen.
  • Wir finden es aber wichtig, das Bargeld zu erhalten. Denn es gibt keinen Grund, Menschen vorzuschreiben, auf welche Weise sie bezahlen sollen.

Im Alltag können wir schon seit vielen Jahren bargeldlos zahlen. Wir können Geld von unserem Girokonto überweisen, Lastschriften nutzen, mit der Bank- oder Kreditkarte zahlen und selbst unser Smartphone zum Zahlen nutzen. Brauchen wir da wirklich noch Scheine und Münzen?

Jeder hat die Freiheit, so zu bezahlen, wie er möchte. Und das soll auch so bleiben, finden wir. Schließlich hat jede Zahlart ihre Vor- und Nachteile. Deshalb sollte niemandem vorgeschrieben werden, wie er zu bezahlen hat.

Wir haben ein paar Antworten auf häufige Fragen in der Diskussion um die Zukunft des Bargelds zusammengestellt:


Was würde sich für uns ändern, wenn es kein Bargeld mehr gäbe?

Eine ganze Menge. Denn laut Deutscher Bundesbank wurden im Jahr 2014 noch vier von fünf Transaktionen in bar getätigt. Insofern hätte eine Abschaffung des Bargelds weitreichende Folgen, denn ein Großteil der Bevölkerung müsste sich schlagartig umgewöhnen. Vor allem für Menschen, die nicht so gut mit Technik umgehen können, wäre das ein Problem. Und Bargeld hilft dabei, einen besseren Überblick darüber zu behalten, was man ausgibt und sich leisten kann. Es könnten also mehr Menschen unbemerkt Schulden machen.


Wie bezahlt man kleinere Beträge ohne Bargeld (speziell Kinder)?

Heute gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, auch kleine Beträge bargeldlos zu bezahlen: Bank- oder Kreditkarte, Zahlungsdienste wie Paypal oder Paydirekt. Stellenweise kann man auch schon sein Smartphone für Zahlungen nutzen. Die Voraussetzung ist meistens ein Girokonto. Mit wie vielen Jahren man eines bekommt, ist von Bank zu Bank unterschiedlich. Spätestens zum ersten Ferienjob ist es aus unserer Sicht sinnvoll.


Welche Argumente gibt es für die Abschaffung des Bargelds?

  • Der Bargeldkreislauf verursacht Kosten: Produktion, Transport, Lagerung etc. Doch auch bargeldloses Bezahlen ist nicht kostenfrei. Es müssen z.B. Server und Geräte installiert, gewartet und betrieben werden. Und man braucht Menschen, die die Sicherheit der Systeme überwachen und ständig weiterentwickeln.
  • Straftaten wie Steuerhinterziehung oder Geldwäsche könnten besser erkannt werden. Aber uns ist bislang kein statistisch nachweisbarer Zusammenhang zwischen Kriminalität und Bargeldnutzung bekannt.
  • Bargeldlose Zahlungen ermöglichen einfaches Bezahlen in Geschäften oder im Internet. Klar ist es bequem, nicht ständig zum Geldautomaten gehen zu müssen. Aber ohne etwas "Handfestes" verliert man auch leichter den Überblick über seine Ausgaben.

Welche Argumente gibt es fürs Behalten des Bargelds?

  • Bargeld erleichtert den Überblick über die eigenen Finanzen. Unter anderem lernen Kinder und Jugendliche den verantwortungsvollen Umgang mit Geld leichter, wenn sie Scheine und Münzen ausgeben, statt nur auf Displays irgendwelche Zahlen zu sehen.
  • Bargeldzahlungen bedeuten Datenschutz. Denn wenn du bar bezahlst, erfährt keiner, wo du wann was eingekauft hast. Das ist vielen Menschen wichtig, damit Unternehmen, der Staat oder sogar Kriminelle keine Rückschlüsse auf ihr Einkaufsverhalten ziehen können.
  • Es gibt auch einen rechtlichen Grund: Das einzige gesetzliche Zahlungsmittel in Deutschland ist der Euro. Alles andere sind so genannte Zahlungsersatzmittel. Das bedeutet, dass Menschen bargeldlos zahlen können, aber nicht müssen.


Fazit

Das Bargeld ist wichtig, trotz einiger Argumente dagegen. Die Verbraucherzentrale NRW ist für einen Ausbau und eine Weiterentwicklung der bargeldlosen Zahlungssysteme. Doch gleichzeitig soll das Bargeld weiter bestehen. Es gibt keinen Grund, Menschen vorzuschreiben, auf welche Weise sie bezahlen sollen.


(hamo)

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5 Kommentar(e)

Sortierung:    Neueste zuerst   |   Älteste zuerst
  • Anne

    Bargeld erhalten!

    Die Verbraucherberatung schreibt: "Aber uns ist bislang kein statistisch nachweisbarer Zusammenhang zwischen Kriminalität und Bargeldnutzung bekannt." In weiteren Quellenartikeln ist diese Erkenntnis auch festzustellen, obwohl immer wieder das Gegenteil von den "Bargeld-Abschaffern" erzählt wird.
    FAKT ist: Erst wurden Bargeldtransaktionen reduziert. Wie in Schweden gibt es hier auch schon Weigerungen einiger Banken, Bargeld anzunehmen.
    Abgeordnetencheck schreibt: "Bargeld bedeutet Freiheit des Bürgers vor Überwachung durch Staat und Unternehmen. Es erleichtert die informationelle Selbstbestimmung. Bargeld bedeutet auch Schutz vor willkürlichen Enteignungen. Deshalb muss es unbedingt erhalten bleiben."
    [Werblicher Link von der Redaktion entfernt]
    Ich bin dafür, das Bargeld zu erhalten!
    Sonst haben wir den gläsernen Verbraucher - wer will das?
    I.Ü.: 1.137.060 Verbraucher haben sich für den Bargeld-Erhalt ausgesprochen, siehe Link. (Stand 15.11.2018)

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  • wiepet6

    Bargeldzahlung muss bleiben


    Immer wieder wollen Lobbyisten das Bargeld abschaffen, um noch mehr Daten von den Bürgern über die bargeldlose Zahlung zu erhalten. Ich will aber meine Anonymität und Freiheit der Zahlungsmöglichkeit erhalten. Die Scheinheiligkeit alles mit Geldwäsche u.a. kriminellen Dingen zu verschleiern ist abartig. Auf erklärendes Datenmaterial erhält man nur ein Achselzucken, weil man den Verbraucher nur bevormunden und entmündigen will. Nichts spricht gegen Barzahlung, allein weil viele bei der bargeldlosen Zahlungsart den Überblick verlieren und in die Schuldenfalle laufen.

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  • Anne

    Bargeld erhalten!

    Bitkom will eine gesetzliche Regelung
    über das bargeldloses Bezahlen.
    Außerdem will der IT-Branchenverband
    eine Förderung elektronischer Bezahlformen.
    Das schreibt MMNEWS online heute.

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  • Anne

    Bargeld

    Hallo,
    ergänzen möchte ich den o.a. Artikel mit einem Artikel von Heise (12.02.2019) und von Norbert Häring:

    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Studie-Bezahlen-mit-Bargeld-geht-schneller-als-mit-der-Karte-4306811.html

    Studie: Bezahlen mit Bargeld geht schneller als mit der Karte
    "Bezahlen mit Bargeld gilt Kritikern als umständlich und zeitraubend.
    Doch Kartenzahlungen sind noch langsamer, zeigt eine Studie."
    "Der für Bargeld zuständige Bundesbank-Vorstand sieht es ganz pragmatisch: "Der Bürger entscheidet, wie er zahlen will." Mehr als die Hälfte der Verbraucher kann sich laut einer aktuellen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom nicht vorstellen, auf Bargeld zu verzichten."
    Dazu gibt es 1082 Kommentare, die sich zu lesen lohnen.
    https://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Studie-Bezahlen-mit-Bargeld-geht-schneller-als-mit-der-Karte/forum-419910/comment/


    Norbert Häring hat auch ein Buch über die Abschaffung des Bargelds und den Weg in die totale Kontrolle geschrieben.
    http://norberthaering.de/haering/ueber_das_geld/Geld_Die_Bank_gewinnt_immer.pdf
    http://norberthaering.de/de/27-german/news/1142-wikipedia-btca
    http://norberthaering.de/haering/ueber_das_geld/Geld_Die_Bank_gewinnt_immer.pdf
    Norbert Häring: ..."seit 1997 Wirtschaftsjournalist. Vorher arbeitete der promovierte Volkswirt einige Jahre für eine große deutsche Bank. Er engagiert sich in der World Economics Association für eine weniger einseitige und dogmatische Ökonomik. Er ist Träger des Publizistik-Preises der Keynes-Gesellschaft und des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises von getAbstract (Ökonomie 2.0)."

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  • Beate Hermann

    Geld abschaffen

    Was machen dann , die 20 Millionen deutschen Rentner , die oftmals , nicht mal einen Internetanschluss haben ??

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