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Modisch und öko

Korrekte Klamotten: Faire Bio-Mode

Bio-Lebensmittel stehen in jedem Supermarkt. Und auch Bio-Mode ist längst aus der Gesundheitslatschenecke herausgewachsen. Öko ist Mode!

Baumwollpflanzen (Bild: sxc.hu / gtrfrkbob)
Bild: sxc.hu / gtrfrkbob

Selbst große Modeläden und Kaufhausketten locken mit Bio-Cotton. Immer mehr Käuferinnen und Käufer wissen, dass sie mit "korrekten Klamotten" die Welt retten können – zumindest ein kleines bisschen. Denn wie das Umweltinstitut München sagt, bewahrt man "mit dem Kauf eines einzigen Baumwoll-T-Shirts aus biologischer Baumwolle rund sieben Quadratmeter Anbaufläche vor Pestiziden und Kunstdünger."


Der Wasserverbrauch beim Anbau herkömmlicher Baumwolle ist enorm: Er schluckt so viel Wasser wie alle Privathaushalte der Erde zusammen verbrauchen. Wahnsinn, oder? Und: Ein Viertel der Insektizide (Schädlingsvernichtungsmittel), die weltweit eingesetzt werden, landen auf Baumwollfeldern. Zudem waren 2015 mehr als 70 Prozent der angebauten Baumwolle gentechnisch verändert. Bisher liegt der Anteil der Biobaumwolle bei der Produktion bei rund einem Prozent – das ist sehr wenig, gerade weil die Nachfrage immer mehr steigt.


Was heißt öko?

Die europäische Öko-Verordnung legt fest, was Bio-Baumwolle zu sein hat: Die Pflanze wird ökologisch angebaut – das heißt, künstliche Düngemittel werden streng begrenzt und Schädlinge natürlich bekämpft. Das ökologische Gleichgewicht des Standortes der Pflanzen soll stabilisiert werden – was den Anbau insgesamt aufwändig und arbeitsintensiv macht. Die Bauern ernten von Hand, ohne Entlaubungsmittel. Gen-Technik ist nicht erlaubt. Das Ansinnen der Mode-Multis, neben dem eigenen Verdienst und Imagegewinn natürlich: Je mehr Leute Klamotten aus Bio-Baumwolle kaufen, desto mehr Bauern können auf den umwelt- und menschenfreundlichen Anbau umsatteln.


Verirrt im Label-Labyrinth

Ob "Green-Fashion" oder "natürliche Mode": Solche Bezeichnungen sagen gar nichts aus darüber, wie umwelt- und sozialverträglich ein Kleidungsstück ist. Was zählt, sind verlässliche Labels. Einzig: Ein einheitliches Bio-Etikett, wie es zum Beispiel für Lebensmittel auf dem Markt ist, fehlt. An Kleidungsstücken könnt ihr zig Labels finden. Einige Labels garantieren Fasern aus biologischem Anbau oder Sozialstandards für Näherinnen bei der Arbeit. Andere besagen, dass das fertige Kleidungsstück frei von Schadstoffen ist. Besonders umfassende Labels regeln den Einsatz von Chemikalien im gesamten Produktionsablauf. Manche Siegel haben Hersteller selbst geschaffen, andere werden von Verbänden oder unabhängigen Prüfstellen verliehen. Das macht es alles ein wenig undurchsichtig.


Label Global Organic Textile Standard

Sehr hohe Anforderungen stellt ein Label, das der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft mitentwickelt hat: GOTS (Global Organic Textile Standard). Klamotten, die dieses Siegel tragen dürfen, müssen zu mindestens 70 Prozent aus Naturfasern aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft oder Tierhaltung (kbA oder kbT) bestehen. Auch stellt das Label hohe Anforderungen an Umweltschutz und Arbeitsbedingungen – während der gesamten Produktionskette. Und das Gute: Es gibt richtig hippe Sachen mit GOTS-Zertifizierung, weit ab vom Kratzepulli-Image.


Textillabel Bluesign

Bei Funktionskleidung im Sport- und Outdoorsegment, die aus Kunstfasern bestehen, gibt es ebenfalls ein empfehlenswertes Label: Bluesign. Es schließt die meisten umwelt- und gesundheitsgefährdende Substanzen von Anfang an aus dem Fertigungsprozess aus. Leider ist umweltbelastende Fluorchemie bei Bluesign nicht ganz verboten.


Bio ist nicht gleich Fair Trade

Vorsicht Verwechslungsgefahr: Bio bedeutet nicht automatisch fair gehandelt. Und fair gehandelt, heißt nicht zwingend Bio. Das FairTradeCertified Cotton-Siegel, das Baumwollklamotten, die aus Fairtrade zertifizierter Baumwolle produziert sind, zertifziert, fördert Bauern, die auf biologischen Landbau umstellen möchte, und zahlt einen Bioaufschlag. Bioanbau ist aber nicht Pflicht. Gentechnisch veränderte Baumwolle ist ausgeschlossen. Optimal ist ein Doppelpack aus "kbA" und "fair". Das ist gut für die Umwelt und für die Produzentinnen und Produzenten.


Und was ist mit Öko-Tex?

Hand zeigt Schild an Kleidungsstück

Das Öko-Tex-Siegel mit der stilisierten Blume findet sich an vielen Kleidungsstücken und anderen Textilien wie Handtüchern oder Bettwäsche. Es steht unter dem Motto "Textiles Vertrauen". Es gibt verschiedene Standards – der gängigste ist der Öko-Tex-Standard 100. Dieser Standard schließt zum Beispiel – durch neutrale Institute geprüft – aus, dass nur bestimmte Farbstoffe oder Weichmacher verwendet und Grenzwerte eingehalten wurden – komplett schadstofffrei muss das Produkt nicht sein. Über Produktionsbedingungen oder Umweltschutz sagt das Siegel jedoch nichts aus. Das neue "Oeko-Tex Made in Green"-Siegel verlangt nicht nur die Prüfung nach dem Öko-Tex-Standard 100, sondern auch eine umweltfreundliche Produktion und die Einhaltung von Sozialstandards im gesamten Fertigungsprozess. Per QR-Code oder Produkt-ID kannst du herausfinden, in welchen Fabriken das T-Short oder die Bettwäsche hergestellt wurden. Aber Achtung: Mit Bio hat Öko-Tex trotz des ökologisch klingenden Namens nichts zu tun. Auch Sachen aus hundert Prozent Genbaumwolle können nach bestandener Prüfung das Öko-Zeichen tragen. Die Rohstoffe müssen auch nicht aus biologischem Anbau stammen.



Ein Tipp – egal, um welche Kleidung es sich handelt: Es schadet nie, Klamotten vor dem ersten Tragen in die Waschmaschine zu stecken. Am umweltfreundlichsten ist übrigens Second-Hand-Kleidung, denn für die werden weder Chemikalien noch Rohstoffe verbraucht. Schadstoffarm ist sie noch dazu: Sie wurde schließlich schon oft gewaschen.




(AB)

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